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Das Smartphone als Integrationshelfer

Saarbrücken. Wenn fast alle Flüchtlinge ein Smartphone haben, dann können sie doch damit Deutsch lernen. Das dachten sich die Entwickler einer neuen App, die Neuankömmlingen aus Syrien, dem Iran und Afghanistan Grundkenntnisse im Deutschen vermitteln soll. faa

Bundeskanzleramtschef Peter Altmaier hat es Anfang Januar in einem Interview auf den Punkt gebracht: "Deutsch ist nicht alles, aber ohne Deutsch ist alles nichts." Dieses Zitat griff Ludwig Kuhn, Geschäftsführer der Software-Firma Eurokey, gestern auf, als er im Landesinstitut für Pädagogik und Medien (LPM) die neue Vokabel-App für Flüchtlinge vorstellte. Mit dem "Wortschatztrainer Kurdisch-Deutsch/Farsi-Deutsch" können sich auch Flüchtlinge ohne oder nur mit geringen Deutschkenntnissen ab sofort den für ihren Alltag wichtigen Grundwortschatz der deutschen Sprache aneignen.

Finanziert haben das Projekt, das vor einem halben Jahr an den Start ging, das LPM, die Firma Eurokey und die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW). Die Lern-Inhalte sind in Zusammenarbeit mit dem Beratungszentrum Deutsch als Zweitsprache und mit Muttersprachlerinnen entstanden. "Sehr nah am Endverbraucher" sei die neue App, sagte LPM-Leiter Burkhard Jellonnek. Gemeint ist, dass sie sich vor allem an den Bedürfnissen von Asylbewerbern orientiert, die keinen Zugang zu Integrationskursen haben. Ausgestattet ist sie mit 400 bis 500 Vokabeln aus Alltagssituationen wie dem Behördengang, Arztbesuch oder Einkauf. Über verschiedene Aufgaben und mithilfe von Audio-Dateien und Bildern können Nutzer die Sprache spielerisch erlernen. Da die meisten Flüchtlinge ein Smartphone hätten, sei die Idee aufgekommen, es auch sinnvoll für den Spracherwerb zu nutzen, sagte Jellonnek über die Entstehung des Projekts.

Und warum Farsi und Kurdisch? 30 Prozent der Syrer sprächen Kurdisch. Zudem seien afghanische Flüchtlinge mit Muttersprache Farsi per Gesetz häufig von Integrationskursen ausgeschlossen. "Viele sitzen monatelang zu Hause und lernen kein Wort Deutsch, weil sie nichts tun dürfen", sagt die kurdischsprachige Asylbegleiterin Tanja Delen, die das Projekt mitbetreut hat. Sie hofft, dass gerade Frauen, die sich oft zu Hause um Haushalt und Kinder kümmern, von der App profitieren können. Über Crowdfunding soll in einem nächsten Schritt die Erweiterung der App auf Sprachen wie Arabisch finanziert werden.

Die App ist über den Apple App Store oder den Google Play Store kostenlos verfügbar. Weitere Online-Lernmaterialien gibt es unter www.daf ür.saarland.