Das Leid verkannter Hausgenossen

Eine schmackhafte Möhre und ein wenig Stroh reichen nicht, um ein glückliches Hasenleben zu führen. Viele Tierhalter verkennen, wie viel Platz ihre Nager brauchen. Darum hatte das Bertha-Bruch-Tierheim zu einem Infotag eingeladen.

Vor wenigen Wochen wurde ein Kaninchen im Wald aufgefunden, leider kein Ausnahmefall. Das Fell war ursprünglich weiß, jetzt ist es deutlich verfärbt ins Gelbliche, vom großen Schlappohr fehlt fast die Hälfte, das Tier sitzt verängstigt im Stall. Ein Grund, warum das Bertha-Bruch-Tierheim am Sonntag einen Infotag über Kleintiere anbot.

"Die Leute kaufen sich die Kleintiere im Baumarkt und werden dort schon falsch beraten. Oft sind die Tiere sogar von Milben oder Pilzen befallen", sagt Eva Fell, langjährige Ehrenamtliche im Verein. In den schlimmsten Fällen setzen die Leute die Tiere aus, weil sie überfordert sind, keine Zeit oder kein Interesse mehr haben. Teilweise kommen in der Woche sechs bis acht solcher Tiere ins Tierheim, die meisten davon Kaninchen . Eines hat Eva Fell sogar selbst in ihrem Garten eingefangen.

Die Defizite lägen gerade bei der Haltung von Kleintieren, die Ansprüche werden oft unterschätzt. Kaninchen beispielsweise genügt nicht nur ein kleiner Stall, sie brauchen ein großes Gehege, wo sie sich bewegen können. "Im Baumarkt bekommt man den viel zu kleinen Käfig gleich dazu", erklärt Esther Müller, die für den Verein Kaninchenberatung heute am Stand die Besucher mit Informationsmaterial versorgt. Mit Fotos müssen die Interessenten im Tierheim beweisen, dass sie ein ausreichend großes Gehege haben. Den Tieren soll es schließlich besser gehen als im Tierheim. Oft setzen herzlose Tierbesitzer ihre Nager einfach aus, manchmal sogar in den Käfig gesperrt, ohne Nahrung und Wasser. Die Tiere werden überfahren oder vermehren sich unkontrolliert.

Selbst mit Tierärzten hätte Müller schon schlechte Erfahrungen gemacht. Diese seien oft auf andere Tiere spezialisiert. Sie selbst wurde damals, als sie mit ihrem Kaninchen kam, falsch beraten und kam daraufhin auf die Idee, sich selbst in diesem Bereich zu engagieren und mit anderen ihre Erfahrungen und ihr Wissen zu teilen. "Wir haben unseren Kaninchen früher immer Brot gegeben, jetzt weiß ich, warum sie so dick geworden sind", erinnert sich Nina Roob, eine der Besucherinnen, an ihre Kindheit.

Ingrid Linsenmeier ist heute da, um nach einem Hund zu suchen. Mit ihrem Mann genießt sie das schöne Wetter und die netten Unterhaltungen. "Ich suche einen Spielkameraden für meinen Pudel Paul", sagt sie. Andere kommen aus Verbundenheit zum Bertha-Bruch-Tierheim. Ellen Dickers hat hier jahrelang Hunde ausgeführt. "Bei den Festen bin ich immer da. Manchmal sieht man die ehemaligen Insassen sogar wieder. Die Hunde, die ich früher ausgeführt habe, freuen sich so, da bekomme ich jedes Mal Gänsehaut", erzählt sie und zupft sich ein Hundehaar von ihrer schwarzen Weste.