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„Das hat lange genug gedauert“

Diese Radarsäule an der Camphauser Straße und das Pendant in der Gegenrichtung sind seit kurzem in Betrieb. Demnächst sehen Fahrer den roten Blitz einer Geschwindigkeitsmessanlage, wenn sie an der Heringsmühle zu schnell sind. Der Blitzer ist bestellt.
Diese Radarsäule an der Camphauser Straße und das Pendant in der Gegenrichtung sind seit kurzem in Betrieb. Demnächst sehen Fahrer den roten Blitz einer Geschwindigkeitsmessanlage, wenn sie an der Heringsmühle zu schnell sind. Der Blitzer ist bestellt. FOTO: Becker & Bredel
Saarbrücken. Über die Mess-Säulen an der Camphauser Straße gehen die Meinungen auseinander. Für die Stadt halten sie die Raser in Schach. Für die FDP bringen sie nur Geld in die Stadtkasse, ohne Unfälle zu verhindern. An der Heringsmühle hat niemand etwas gegen Blitzer. Nur die Raser. Frank Kohler

Aufatmen an der Heringsmühle. Seit der Sperrung der Fechinger Talbrücke leben die Familien inmitten von Dauerlärm und abgasverpesteter Luft. Dort, wo nur ein handtuchbreiter Gehweg Menschen von vorbeidonnernden Lkw-Riesen und Rasern trennt. Wo Eltern Tag für Tag Angst haben, wenn ihre Kinder vor die Tür gehen, um in den Schulbus zu steigen. Jetzt wird eine Forderung der Betroffenen wahr. Die Stadt hat den stationären Blitzer bestellt, den die Menschen an der Heringsmühle gefordert hatten (SZ vom Dienstag, 2. August).


Carmen Kuntz wohnt mit ihrer Familie mitten im Nadelöhr. Bei ihr mischten sich gestern Freude und Vorsicht: "Wahnsinn, endlich. Das hat lange genug gedauert, und noch steht er ja nicht. Über den Standort sollte sich die Stadt auf jeden Fall noch mal mit uns unterhalten. Denn wir wissen ja genau, wo die Raser Anlauf nehmen."

Stadtsprecher Thomas Blug geht davon aus, dass die bestellte Blitzersäule in einigen Wochen installiert ist. Die Stadt werde noch einmal informieren, ehe sie die Anlage in Betrieb nimmt.



Die Blitzer beschäftigen auch den Stadtrat. Zum Beispiel die Chefin der Linksfraktion, Claudia Kohde-Kilsch . Die Linke habe schon Anfang Juni beantragt, einen Blitzer an die Heringsmühle zu stellen. Zumal ja die Umleitung noch länger dauert. Es sei eine Selbstverständlichkeit, dort den Verkehr mit einem stationären Blitzer deutlich zu bremsen. Sollte aber auch diese Mess-und-Blitz-Säule nichts bringen, fordert die Linke weitere Lösungen bis hin zu einem Durchfahrtverbot für schwere Lastwagen.

Die FDP-Fraktion bekräftigt ihre Warnung vor Blitzern an Orten, "an denen keine nachweisbare erhöhte Unfallgefahr besteht". Kontrollen seien nur dort sinnvoll, wo sich Unfälle häufen oder die Gefahr groß ist, dass was passiert. Zum Beispiel an Kindergärten und Schulen.

Der von der Stadtverwaltung gewählte Standort in der Camphauser Straße zeige, dass es dort kaum um mehr Sicherheit, sondern vorwiegend um reine Abzocke und um die Aufbesserung der klammen Haushaltskassen gehe, sagt der stellvertretende Fraktionschef Tobias Raab. Sollte in der Camphauser Straße die Unfallgefahr erhöht sein, dann nicht wegen Rasern, sondern wegen Fahrern, die beim Abbiegen an der Saarlandhalle oder bei Spurwechseln im Ludwigsberg-Kreisel nicht aufgepasst haben. Tobias Raab folgert: "Blitzer können nur Unfälle vermeiden, die durch überhöhte Geschwindigkeit entstehen. Und das genau dort, wo sie stehen sollen." > : weiterer Bericht