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Das Grubenwasser soll steigen

Regionalverband. Die RAG will weniger Aufwand mit dem Abpumpen des Grubenwassers betreiben und damit Millionen Euro im Jahr sparen. Gefahr für Mensch, Wasser und Natur? Alles beherrschbar, sagen die Planer. Gefahr droht, wenn es ans Beweisen von Schadensursachen geht. Peter Wagner

Es geht der Ruhrkohle AG ums Sparen. Jahr für Jahr gibt sie im Saarrevier 17 bis 18 Millionen Euro aus, um ebenso viele Kubikmeter Grubenwasser nach oben zu fördern, und zwar an fünf Standorten: Reden, Camphausen, Luisenthal, Viktoria und Duhamel. Sie braucht dazu Pumpen, Strom, Technik und Menschen, die das System bedienen.

Eine betriebliche Notwendigkeit für die Trockenhaltung der Bergwerke gibt es nicht mehr, seit der Bergbau beendet wurde. In den Schächten und Stollen ist niemand, der ertrinken könnte und steht nichts Wertvolles.

Deshalb möchte die RAG eine Genehmigung, das Grubenwasser kontrolliert ansteigen zu lassen (und bei Notwendigkeit zu stoppen) und die Steuerung der Wasserhaushalte ("Wasserhaltung") einzustellen, so dass sich ein einheitlicher Grubenwasserspiegel auf einem Niveau von minus 320 Meter über dem Meeresspiegel ergäbe. Warum minus 320 Meter? Der Konzern sagt, auf diesem Level seien Probleme, vor allem Beeinflussungen des Trinkwassers oder Schäden durch Hebungen der Oberfläche (theoretisch werden aus zehn Metern Grubensenkung großflächig wieder 40 Zentimeter Anstieg), nicht zu erwarten. In Ensdorf möchte man dieses Wasser dann gesammelt in die Saar fließen lassen, statt heute in Blies, Saar, Köllerbach und Fischbach. Das soll im Jahr 2035 sein, die Menge würde nach RAG-Angaben 32 Kubikmeter pro Minute betragen.
Beifall für die Vortragenden

Bis dahin ist es ein weiter Weg, denn die RAG muss sich alles in einem Planfeststellungsverfahren genehmigen lassen, inklusive Umweltverträglichkeitsprüfung. Ein sogenannter Scooping-Termin mit Beteiligung der Träger öffentlicher Belange ist am 28. April. Völklingen und Großrosseln werden auch dabei sein, obwohl sie vom Vorhaben nicht so direkt betroffen sind wie Duhamel, Nordschacht, Dilsburg, Göttelborn und Reden. Großrosseln liegt geologisch getrennt im Bereich der französischen Gruben und ist insofern weiter beziehungsweise schlechter dran, als das Grubenwasser bereits plus 101 Meter hoch steht, also höher, als es in Ensdorf je sein wird. Die Gemeinde hätte gern sichergestellt, dass ihr Grundwasser vor dem salzhaltigen französischen Grubenwasser geschützt bleibt. Völklingen, Fenne, Fürstenhausen und Klarenthal haben es insofern gut, als in den Luisenthaler Richardschächten Gas gefördert wird und deshalb das Wasserniveau auf minus 841 Meter verbleiben soll. Zumindest auf absehbare Zeit.

Am Montag luden die beiden Kommunen die Bevölkerung zur Information nach Geislautern ein. Es kamen fast 80 Interessenten, um sich von den RAG-Ingenieuren Michael Drobniewski und Axel Schäfer die sogenannte Zukunftsaufgabe Grubenwasser erklären zu lassen. Das Unternehmen nahm sich gut zweieinhalb Stunden Zeit, um auch die letzte von etwa drei Dutzend Fragen zu beantworten. Ob die Auskünfte in allen Details befriedigen konnten, sei dahingestellt. Die Atmosphäre war konzentriert und sachlich. Die große Mehrheit der Besucher zeigte sich umfassend und seriös informiert, es gab sogar Beifall für die Vortragenden.

Die Frage des Abends kam vielleicht vom Naßweiler Ortsvorsteher Hans-Werner Franzen (SPD ): Wer trägt die Beweislast bei Schäden durch Grubenwasser?

Antwort: Da es, anders als beim Abbau von Kohle, keine Grenzen für steigendes Wasser und folglich keine Messlinien gibt, die man einem Verursacher zuordnen kann, wird die Beweislast beim Geschädigten liegen. Es sei denn, der Gesetzgeber beschließt noch etwas anderes. Ein Grundbesitzer aus Velsen berichtete, dass Gärten in der Nähe des Kohlenlagerplatzes bereits vernässt seien. Er und seine Nachbarn warten gespannt, was die RAG sagt und ob sie beim Trockenlegen hilft.