Das gibt's erst wieder in Frankfurt

Das Saarbrücker Filmhaus ist der klammen Stadt lieb und zu teuer. Just verabschiedete der Stadtrat, dass das kommunale Kino 150 000 Euro weniger an Zuschuss bekommt. Filmhaus-Chef Michael Jurich ist seit vier Jahren in Saarbrücken. SZ-Redakteurin Susanne Brenner wollte von ihm wissen, ob er sich – trotz ständiger Spardebatten – hier wohlfühlt.

Sie sind seit bald vier Jahren Chef des Saarbrücker Filmhauses. Wie geht es Ihnen dabei?

Michael Jurich: Es ist mir sicher nicht langweilig geworden in der Zeit. Ich habe die Position angetreten in der Erwartung, hier neue und andere Herausforderungen vorzufinden als in den 15 Jahren davor beim kommunalen Kino Cinema Quadrat in Mannheim. Und ich bin nicht enttäuscht worden. Saarbrücken ist eine spannende Stadt für Kinomacher, auch wenn der Fokus der Wahrnehmung gern mehr auf der Qualität des Programms liegen dürfte als auf der gegenwärtig geführten Spardebatte.

Jetzt soll das Filmhaus 150 000 Euro einsparen. Wie schaffen Sie das?

Michael Jurich: 150 000 Euro wären nicht zu schaffen gewesen. 62 000 Euro kommen mit Zustimmung des Stadtrats aus einem anderen Topf des Kulturamts, das Filmhaus erbringt die restlichen 88 000 Euro. Da an allen denkbaren Stellschrauben der Sachkosten in den vergangenen Jahren schon kräftig gedreht wurde, blieb hier nur noch, eine freiwerdende Stelle nicht neu zu besetzen. Die Arbeit muss jetzt umverteilt werden: auf mich, eine weitere Vollzeit- und zwei Teilzeitkräfte mit der daraus resultierenden Mehrbelastung für alle. Die ersten Wochen und Monate des neuen Jahres werden dann zeigen, ob und wie gut das funktioniert.

Nerven die ständigen Spar-Debatten? Fühlen Sie sich und Ihre Arbeit dadurch kritisiert?

Michael Jurich: Ich würde selbstverständlich viel lieber unser anspruchsvolles und vielfältiges Programm diskutiert sehen, für das wir regelmäßig gelobt werden. Wir zeigen in über 2000 Vorstellungen jährlich mehr als 250 verschiedene Filmprogramme. Damit ist in Saarbrücken eine Vielfalt und Qualität des Kinoangebots gegeben, die man erst wieder in Frankfurt, Mannheim oder Karlsruhe so findet. Wenn stattdessen immer wieder gefragt und gefordert wird, dass dieses Angebot doch noch billiger zu realisieren sein müsste, empfinde ich das schon als frustrierend. Aber zum Glück gibt es ja auch unsere dankbaren Zuschauer, deren Feedback einen dann wieder aufrichtet.

Was für ein Publikum hat das Filmhaus? Welche Leute kommen zu Ihnen?

Michael Jurich: Das Publikum ist so verschieden und vielfältig wie die Filme, die wir zeigen. Da ist für jeden etwas dabei, und das ist ja auch die Aufgabe eines kommunalen Kinos, für alle Bürger offen zu sein. Innerhalb des Programms setzen wir dann noch mal Akzente, wie aktuell das Adventskino für Familien mit Kindern, das Seniorenkino zweimal im Monat, die Schulkino-Festivals wie Cinéfête, BritFilms, Schulkinowochen Saarland und das Latino Filmfestival mit umfangreichen Angeboten für die nachwachsende Zuschauergeneration. Und schließlich sorgen zig Kooperationspartner in der Stadt und im Regionalverband dafür, dass auch noch viele Spezialinteressen bedient werden.

Immer wieder wird von der Politik angeregt, Filmhaus und Kino Achteinhalb stärker zu vernetzen. Was wäre da der Nutzen? Macht das überhaupt Sinn?

Michael Jurich: Wie Sie richtig bemerken, ist die Frage ja nicht neu und schon mehrfach von meinem Vorgänger Albrecht Stuby und auch vom Kino Achteinhalb untersucht und beantwortet worden. Bisher kam dabei immer heraus, dass eine Zusammenlegung kaum Einspareffekte bringt, aber mit einer spürbaren Verminderung des Programmangebots verbunden wäre. Ich bin aber gern bereit, mich hier mit den Kollegen vom Achteinhalb und den Vertretern der Fraktionen zusammenzusetzen und die Frage nochmals ergebnisoffen zu diskutieren.

Vier Jahre Saarbrücken. Was gefällt Ihnen an Ihrer neuen Heimat am besten?

Michael Jurich: Ich komme ja aus dem von der Einwohnerzahl her fast doppelt so großen Mannheim. Da bin ich hier doch sehr zufrieden mit der Quantität und Qualität des Kulturangebots, auch außerhalb des Kinos.

Leider fehlt mir oft die Zeit, all das wahrzunehmen, was mich interessiert an Bildender Kunst, an Konzerten, Theater und Musik. Ein weiterer Vorteil in Saarbrücken sind die kurzen Wege, da eigentlich jeder jeden kennt. Darüber hinaus liebe ich, wie alle Saarbrücker, die Nähe zu Frankreich und das damit verbundene kulinarische Angebot.