Das Geheimnis ist gelüftet

Es gibt wohl keinen saarländischen Ort, in dem so viele Wegekreuze und Bildstöcke stehen, wie in Lebach – 121 sollen es laut Buchautor Richard Wagner sein. An der Trierer Straße ist eines der steinernen Gebilde dem Verfall preisgegeben. Malermeister Walter Lesch erforscht seit 28 Jahren seine Geschichte.

Auf dem Weg von Lebach nach Schmelz über die Trierer Straße stehen rechtsseitig ein Bildstock sowie zwei steinerne Kreuze. Alle drei wurden von Menschen errichtet, die aus Dankbarkeit für die Heimkehr aus Kriegen ein sichtbares Zeugnis setzen wollten. Der Bildstock mit dem Madonnenbildnis, von der Familie Schäfer im Jahre 1920 als Dank für die Heimkehr der Söhne aus dem Ersten Weltkrieg aufgestellt, gilt als eines der schönsten im Stadtgebiet. Ein Stück weiter ragt das von Ursula Thewes zur Erinnerung an ihren bei Moskau gefallenen Vater Josef gestiftete Sandsteinkreuz aus dem Wiesengrund hervor - ebenfalls im gepflegten Zustand.

Das Dritte steht genau zwischen den beiden und ist das Sorgenkind der Lebacher Heimatkundler. Der Grund: Das steinerne Gebilde samt Christusfigur aus dem Jahr 1813 ist vom Fuß bis an seine Spitze mit Flechten bedeckt. An mehreren Stellen sind kleinere Teile des Steins abgebrochen oder vom Regen ausgewaschen worden. Besonders am Sockel sind Nässeschäden erkennbar. Sein Bestand ist also gefährdet.

1813 errichtet

Die frühere Inschrift ist nicht mehr erkennbar, wurde aber von Walter Lesch, Malermeister aus Thalexweiler, in einem aufwendigen Verfahren identifiziert. Sie lautet: "1813 Den Gefallenen errichtet". Das Besondere dabei ist, dass die Schrift früher um das gesamte Werk herum, vom Sockel bis zu den Kreuzbalken, in verschiedenen Schriftgrößen vorhanden war. Die Jahreszahl lässt vermuten, dass es zum Andenken an die in den napoleonischen Kriegen Gefallenen aus Lebach errichtet wurde. Der schlaue Korse an der Spitze Frankreichs hatte vor allem für seinen Russland-Feldzug 1812 mehr Soldaten aus besetzten Gebieten rekrutiert als Franzosen. Zwei weitere Napoleon-Kreuze in Lebach beweisen, dass auch Männer aus der Theelstadt auf dem Vormarsch der Grande Armée nach Moskau ihr Leben gaben.

Lesch begann vor 28 Jahren

Lesch hatte bereits 1986 erstmals begonnen, die Geschichte des Kreuzes zu ergründen. Damals schrieb Gabriele Neu die erste Auflage des Buchs "Wegekreuze und Bildstöcke in Lebach". Er fotografierte zunächst das Kreuz in allen Jahreszeiten. Im Winter, als weniger Flechten vorhanden waren und die Farbschicht in den Konturen der früheren Schrift reliefartig hervorquoll, konnte er schließlich die Ziffern und Buchstaben aus seitlicher Perspektive auf Film bannen und sie später mit weißer Farbe auf einer Glasplatte nachkonturieren. In der Neufassung des Buches konnte Autor Richard Wagner vom historischen Verein Lebach die Inschrift des Kreuzes erwähnen.

Alle Bemühungen Leschs nutzen jedoch nichts, wenn das baufällige kleine Denkmal umfällt und dann möglicherweise beseitigt wird. Der Experte meint: "Das Kreuz muss auf der Rückseite neu armiert werden, damit es erhalten bleibt: Vielleicht findet sich ein Sponsor, der ein Herz für historische Zeugnisse hat".