Das Fotohandy als Kulturgut

Für alle, die sich schwertun mit guten Vorsätzen zum Jahreswechsel, habe ich Trost gefunden: "Wir sind nicht auf der Welt, um perfekt zu sein." Den Satz hat Friedrich Liechtenstein in seinem ersten Buch geschrieben.

Es ist seit ein paar Tagen im Buchhandel.

Friedrich Liechtenstein ? Das ist der Lebenskünstler aus Berlin, der mit dem "Supergeil"-Werbespot für Edeka recht bekannt wurde. "Selfie Man" heißt das Buch. Ein Selfie ist ein Foto, das man mit dem Mobiltelefon von sich selbst macht. Friedrich Liechtenstein hat sein Mobiltelefon nur zu diesem Zweck. Telefonieren tut er damit nicht. Selfies, sagt er, sind "die Tagebücher des dritten Jahrtausends" und "der Blumenkohl der Jetztzeit", also etwas mit "vielen kleinen Röschen".

Sollten also an Weihnachten im Kreise Ihrer Lieben viele Handys verschenkt werden, sehen Sie sie nicht als Vorboten für den Untergang des Abendlandes, sondern als Kulturgut. Am Rande unseres Filmfestivals "Max Ophüls Preis" zum Beispiel gab es 2012 bereits eine Ausstellung mit Handyfotos.

Vielleicht probieren Sie es selbst aus, nutzen die Feiertage, um sich als Künstlerin oder Künstler in ein Abenteuer zu stürzen. Einfach so, ohne perfekt sein zu wollen.

Was die Nicht-Perfektion angeht, hat Friedrich Liechtenstein übrigens auf seiner CD "Bad Gastein" noch mehr zu sagen: "Wir sind nicht auf der Welt, um perfekt zu sein. Schnee ist perfekt, der Mond. Wir sind auf dieser Welt, um die falschen Frauen zu lieben."

Sie haben Selfies, die Sie der Welt zeigen wollen? Schicken Sie sie an m.rolshausen@sz-sb.de