Das Fahrrad bleibt im Keller

Den Verkehrsentwicklungsplan (VEP) der Stadt Saarbrücken ist jetzt in Herrensohr erörtert worden. Das Papier zeigt viele Aspekte und Lösungsansätze auf. Der Fahrradanteil liegt bei nur vier Prozent.

Plötzlich waren all die in der Stunde zuvor erarbeiteten Ansätze verpufft. Denn die Studenten der Saar-Universität fahren einfach zu viel Auto. So wie viele Saarbrücker und die ganzen Ein- und Auspendler, die in Sachen Beruf oder Ausbildung werktäglich in die Stadt kommen oder sie verlassen. Mehr als die Hälfte sind es, nämlich 56 Prozent. So steht es im Verkehrsentwicklungsplan (VEP) der Stadt, den Jürgen Meyer, Mitglied des Vereins ,,Geographie ohne Grenzen", in einer öffentlichen Informationsveranstaltung des Ortsvereins Dudweiler/Scheidt von Bündnis 90/Die Grünen im Vereinsheim des TuS Herrensohr vorstellte. "Ja, die Saarbrücker fahren gerne Auto", kommentierte Meyer entsprechende Statistiken, damit lägen sie ziemlich genau im Bereich vergleichbarer Städte wie Wiesbaden. Im flachen Kiel hingegen nutzen die Leute eher mal das Rad. Der Radanteil im Saarbrücker Straßenverkehr liegt bei vier Prozent. "Wohl weil die Stadt keine Philosophie vermittelt, die aussagt: Wir nehmen Radfahrer ernst", so Meyer. Bestes Beispiel sei das Radwegenetz, das bestenfalls ein Flickenteppich sei. Ebenfalls mau: Der Anteil derer, die den öffentlichen Personennahverkehr nutzen. 17 Prozent sind es nur. Dabei hält Meyer das Bus- und Schienennetz nicht unbedingt für schlecht. Das Saarbahnnetz sei zwar lediglich eine Linie. Im Zusammenspiel mit den Bahngleisen sei da aber durchaus Potenzial vorhanden: "Man muss es nur als S-Bahnnetz verstehen." Wenn das Auto mal kaputt ist, wüssten viele nicht einmal, wie bequem und schnell es mit der Bahn in die Innenstadt geht. Sechs Minuten seien es von Dudweiler aus. Kombi-Tickets sind ebenfalls ein Thema, eine Eintrittskarte also für Saarlandhalle oder Stadion, in der der Fahrpreis für Bus und Bahn schon enthalten ist. Weil der mobile Individualverkehr (MIV), so die VEP-Bezeichnung für das Autofahren , nach Versammlungsmeinung stinkt und lärmt, und die Stadtautobahn zudem im Stadtbild noch "potthässlich" ist, sei ein weiterer Ansatz, das Autofahren unattraktiver zu machen. Meyer nannte das Beispiel Amsterdam, wo Parkplätze äußerst rar sind: "Dort werden Sie Ihr Auto in der Innenstadt nicht mehr los, also lassen Sie es zu Hause." In Saarbrücken seien dagegen zumeist ausreichend bewirtschaftete Parkplätze verfügbar. Ein Ansatzpunkt: Bei der Neuordnung der Wilhelm-Heinrich-Brücke eine der derzeit acht Fahrspuren einzusparen. Das würde sogar kaum was kosten, denn oft scheiterten Projekte an den Stadtfinanzen - weil die Brücke nach Sanierung eh neu markiert werden müsse. In der anschließenden Diskussion kam die Rede dann aber auf besagte Studenten die eigentlich bei der Verkehrsmittelwahl zum Rad tendieren müssten, zumal sie mit dem Studienticket günstig in Campusnähe kämen, um dann auf Drahtesel umzusteigen. Doch die Mehrzahl kommt laut Statistik mit dem Pkw.

Zum Thema:

Auf einen BlickIn Dudweiler liegt der Anteil der Autofahrer mit 64 Prozent über dem in der Innenstadt, wo 48 Prozent Pkw fahren, im Bezirk Halberg ist der Wert ähnlich hoch. In Dudweiler besitzen 47 Prozent ein Fahrrad, dagegen 83 Prozent ein Auto. In Herrensohr sind es 31, beziehungsweise 99 Prozent. Zu Jägersfreude steht im VEP lediglich "nicht auswertbar". alvep.saarbruecken.de