Darauf haben sich die Kinder lange gefreut

Jedes Jahr am dritten Freitag im November ist es soweit: Dann gibt es den bundesweiten Vorlesetag. In der Grundschule Weyersberg las unter anderem Kultusminister Ulrich Commerçon vor. Sein Lieblingskinderbuch: „Das blaue Pferdchen“.

Zahlreiche Kinderaugen schauen Kultusminister Ulrich Commerçon an. Er sitzt auf dem Boden der ersten Klasse der Grundschule Weyersberg mit einem Buch in der Hand, umringt von aufgeregten Erstklässlern, die es sich auf Holzbänken gemütlich gemacht haben. "So kann ich euch besser die Bilder zeigen", erklärt Commerçon.

An diesem Freitag findet bereits der zwölfte bundesweite Vorlesetag statt. Und Schulleiterin Julia Beer organisierte zum fünften Mal diese "liebgewordene Tradition" in der Ganztagsgrundschule.

20 Vorleser

Auch diesmal können sich die Kinder auf eine schöne, bunte Mischung freuen. Schwer war es nicht, die 20 Vorleser zusammen zu bekommen. Bestimmt zehn von ihnen seien schon von Anfang an dabei, erzählt Beer stolz. Die Freiwilligen kommen aus unterschiedlichen Bereichen. Ob Pfarrer Dieter Winterhagen, der ehemalige saarländische Ministerpräsident Reinhard Klimmt oder beispielsweise Reinhard Karger vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz - alle stehen sie um halb zehn morgens im Begrüßungsraum und warten darauf, von jeweils zwei Kindern abgeholt und zu den Klassensälen geführt zu werden. "Das ist ja wie Weihnachten", meint einer der Vorleser aufgeregt.

Man müsse diese Zeit nutzen, in der man noch vorlesen kann, hört man es aus einer anderen Richtung der geselligen Runde, "meine Tochter will mittlerweile lieber selbst lesen." Und genau das ist die Motivation für den Vorlesetag. Er soll fürs Lesen begeistern.

Leandra und Juliana holen den Kultusminister ab. In der Klasse will er erstmal wissen, wie es den Schülern und Schülerinnen hier gefalle. "Langweilig!", ruft ein Mädchen. Der Minister muss schmunzeln, als er diese ungewohnt direkte und sehr ehrliche Antwort bekommt. "Aber ihr seid doch froh, dass ihr hier in die Schule könnt?", fragt er, und das bestätigen ihm die Kinder beruhigenderweise.

Auch im Lieblingskinderbuch des Ministers, "Das blaue Pferdchen" von Geraldine Elschner langweilt sich jemand. Es handelt von dem Jungen Till. Daraufhin pflückt Till Blumen und gibt sie dem Pferd. Das Pferd nimmt die Farbe der Blumen an: Blau. Darin findet Till Gefallen und färbt alle Tiere ein.

Ein ganz besonderer Tag

Immer wieder beugen sich die Kinder weit vor, um die bunten und großen Bilder besser betrachten zu können. Manche können kaum auf ihren Plätzen sitzen bleiben, so gespannt sind sie. Commerçon erzählt, dass das "Blaue Pferd" ein Bild von Franz Marc ist und in Saarbrücken hängt, aber bald nach Metz ausgeliehen wird. "Müssen wir dann ein Neues kaufen?", fragt eine Schülerin erstaunt.

Nach 45 Minuten verlässt Commerçon zufrieden den Raum. Von den Schülern bekommt er ein ungeschöntes, ehrliches Feedback: Hätte es ihnen nicht gefallen, wären sie aufgestanden oder laut geworden. Für die Erstklässler ist der Minister genau so ein Kamerad wie ihr Sitznachbar in der Schule.

Der Vorlesetag ist etwas Besonderes für die Schüler. "Ein Tag, auf den sie sich das ganze Jahr freuen", bestätigt die Schulleiterin.