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Damit mit der Kälte nicht der Tod kommt - Wo und wie die Stadt im Winter Wohnungslosen Schutz bietet

Damit mit der Kälte nicht der Tod kommt - Wo und wie die Stadt im Winter Wohnungslosen Schutz bietet

Vorweihnachts-Romantik, gutes Wetter für Glühwein oder idyllische Spaziergänge, kuschelige Abende am Kamin – der Frost kann schön sein. Er kann aber auch zum Kampf ums Überleben führen.

Wenn es hart auf hart kommt, sagt Harald Schindel, dann werde die Stadtverwaltung Wohnungslose in Hotels unterbringen. Und dass es hart werden kann in diesem Winter , dass will der Saarbrücker Sozialdezernent nicht ausschließen. Im Gegenteil. Jetzt schon sind die Kapazitäten der Stadt und der Wohlfahrtsorganisationen fast erschöpft.

Im Bruder-Konrad-Haus gibt es 62 Plätze, nur einer davon sei zurzeit noch frei, sagt Schindel. In der Herberge zur Heimat seien alle 25 Schlafplätze vergeben, die 16 Plätze im Elisabeth-Zilken-Haus auch. Die vier Frauen- und sechs Männerschlafplätze der Arbeiterwohlfahrt (Awo) ebenfalls. Dort können aber noch Notbetten aufgestellt werden, sagt Schindel. Vermutlich Mitte Dezember, aber spätestens Anfang Januar werde die Awo in einer neu angemieteten Wohnung weitere sechs Betten zur Verfügung stellen.

Die Zusatz-Wohnung sei auf Initiative ihrer Partei angemietet worden, sagt die Linke-Stadtverordnete Patricia Schumann. Sie habe sich "um weitere Unterbringungsmöglichkeiten bemüht", weil es wegen "des großen Zustroms von Flüchtlingen und Zuwanderern in der jüngsten Vergangenheit immer wieder zu Überbelegungen gekommen" sei.

Der Bedarf nach billigem Wohnraum sei groß, bestätigt Schumanns Parteifreund Schindel. Die Stadt müsse und wolle Flüchtlinge unterbringen, brauche aber auch günstige Wohnungen für Studenten und Menschen, die bisher auf der Straße gelebt haben. Die städtische Siedlungsgesellschaft sei dabei zwar behilflich, "aber auch das Siedlungsangebot ist endlich", sagt Schindel. Daher werde sein Dezernat klären, welche Hotels bereit sind, mit der Stadt zusammenzuarbeiten.

Es gehe aber nicht nur darum, Wohnungslosen warme Plätze für die Nacht zu organisieren. Mitarbeiter der Awo und städtische Streetworker seien mit einem "Kältemobil" unterwegs, um Decken und warme Getränke zu verteilen. Auch die ärztliche Versorgung der Obdachlosen habe man im Blick, versichert der Dezernent. Die Wärmstube in der Trierer Straße diene zumindest tagsüber als Zufluchtsort.

Insgesamt sei die Lage "im Moment noch okay". Und es gebe auch Menschen, die gar nicht untergebracht werden wollen. "Wir haben etwa 10 bis 15 Leute, die sich auch bei dieser Kälte nachts auf der Straße aufhalten."

Die richtig kalten Nächte kommen aber erst noch. Und dann sei klar: "Auch wenn die dann sagen, dass sie einen ganz tollen Schlafsack haben, müssen wir Verantwortung übernehmen und diese Menschen vor sich selbst schützen", sagt Schindel. Das heißt: Die städtischen Sozialarbeiter holen diejenigen, die trotz des Angebots von Schlafstellen weiter draußen nächtigen wollen, im Notfall mit Hilfe der Polizei ins Warme.