Damit das Wissen nicht verloren geht

Saarbrücken · In einer kleinen Ausstellung über den Botaniker Hieronymus Bock zeigt der Regionalverband, wie er im 16. Jahrhundert Pflanzen sammelte und sie auf ihre Wirkung testet. Seine Ergebnisse nutzen Mediziner und Apotheker noch heute.

 Ein Gartenerlebnis für alle Sinne bieten Kräuter, denen der große Experte Hieronymus Bock vor Jahrhunderten große Bedeutung beimaß. Hier riecht Caroline Dennert an einer Distel. Foto: Becker&Bredel

Ein Gartenerlebnis für alle Sinne bieten Kräuter, denen der große Experte Hieronymus Bock vor Jahrhunderten große Bedeutung beimaß. Hier riecht Caroline Dennert an einer Distel. Foto: Becker&Bredel

Foto: Becker&Bredel

Wo die meisten Besucher nur Unkraut sehen, zeigt Dietmar Vogel am Mittwoch einer Seniorengruppe im Saarbrücker Schlossgarten die verschiedenen Pflanzen und ihren Nutzen. Der Heilpraktiker trägt eine grüne, kurze Hose und eine Leinentasche in seiner Hand. Zunächst führt er die Gruppe in die Kasematten. In den Räumlichkeiten ohne Tageslicht befindet sich natürlich kein Garten, sondern die kleine Ausstellung über den Botaniker Hieronymus Bock aus dem 16. Jahrhundert. Er sammelte Pflanzen, trocknete und testete sie auf ihre Wirkung, wobei er auf Ergebnisse kam, die Mediziner und Apotheker teilweise noch heute nutzen.

Eine Frau öffnet ein großes Keramikgefäß. Der Duft von Fenchel strömt heraus. Darüber hinaus hängen die Kräuter noch in getrockneter Form über den Behältnissen. "Das ist das Buch von Bock. Wenn man es heute erwerben will, kostet es wohl mindestens 10 000 Euro", erklärt Vogel den erstaunten Besuchern. Nach den Eindrücken in den unterirdischen Kasematten geht die Gruppe wieder ans Tageslicht.

Hinter dem Saarbrücker Schloss befindet sich seit diesem Sommer ein Kräutergarten. Die Schilder geben Zitate über medizinische Wirkung aus dem Werk von Bock wider. Wer wusste zum Beispiel, dass Zitronenmelisse die "Anmut der Melancholie", also Depressionen vertreibt? Früher hatte die Wirkung der Pflanzen eine große Bedeutung, denn meist hatten die Leute ihre Apotheke vor der Haustüre.

"Den Holunderbaum findet man vor fast allen alten Bauernhäusern", erläutert Vogel. Die Beeren wirken abführend, die Blüten verwendet man für Sirup, die ausgehöhlten Äste als Blasrohre und die schaumstoffartige Füllung, das Mark der Äste benutzten früher Wanderer, um ihre Schuhe zu füttern und gegen Kälte zu schützen.

Dietmar Vogel würde gerne zu jeder Pflanze etwas erklären, denn der ausgebildete Heilpraktiker beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit Nutzpflanzen und ist fasziniert davon, Nahrung mit Medizin zu verbinden. "Das Bittre ist fürs Herz gesund, hat schon meine Oma immer gesagt", erzählt eine ältere Dame.

Die neugierigen Zuhörer erinnern sich noch daran, was sie früher von Eltern und Großeltern gelernt haben, heute ist das anders. "Ich habe einer Gruppe von Kindern Pfefferminze gezeigt und sie wussten nicht, was das ist, bis ich gesagt habe: Das ist das im Kaugummi", bedauert Vogel. Das Wissen über Kräuter geht verloren.

Viele Nutzpflanzen stehen am Wegesrand und niemandem ist bewusst, wie man von ihnen profitieren kann. Die Leute wissen die Pflanzen nicht mehr zu schätzen. "Leider wurden auch schon einige Schilder mutwillig entfernt und Beete von Hunden zerstört", Vogel weist auf ein aufgewühltes Beet. Es sei sogar schon vorgekommen, dass jemand eine Pflanze ausgegraben und dafür seine Yuccapflanze eingegraben hat.

Der Ausstellungsraum ist von Montag bis Freitag, 9 bis 17 Uhr, und von Samstag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr geöffnet. Führungen für Gruppen nach Anmeldung unter (06 81) 5 06 45 01.

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