China-Seuche bedroht Kaninchen

Die Kaninchenhalter und -züchter im Saarland machen sich Sorgen wegen einer neuen Virus-Variante. Ein Impfstoff dagegen ist in Deutschland derzeit (noch) nicht verfügbar. Vier Tierärzte im Saarland dürfen daher ausländische Impfstoffe verwenden.

Viele Züchter und Halter von Kaninchen sind derzeit beunruhigt. Eine Virus-Erkrankung, die in den meisten Fällen tödlich verläuft, gefährdet ihre Tiere. Der Zentralverband Deutscher Rassekaninchenzüchter (ZDRK) spricht inzwischen von einer "akuten Bedrohung unserer Kaninchenbestände". Verbandspräsident Erwin Leowsky schrieb den Züchtern jüngst, er bekomme täglich "Mitteilungen über schreckliche Tierverluste", und appellierte daher: "Nehmt den Aufruf zum Impfen ernst, nur so können wir die schwierige Situation in den Griff bekommen." Im Saarland hat der Landesverband der Rassekaninchenzüchter deshalb die für den 27. und 28. August geplante Landesjungtierschau in Schwemlingen abgesagt. "Eine reine Vorsichtsmaßnahme", sagt der Chef der Rassekaninchenzüchter im Saarland, Kunibert Horras. "Das Risiko ist zu groß."

Die für die Tiere gefährliche Virusinfektion trägt umgangssprachlich den Namen "China-Seuche", weil sie 1984 erstmals in China aufgetreten war. Gebräuchlich ist auch die Abkürzung RHD, die für die englische Bezeichnung "Rabbit Hemorrhagic Disease" steht. "Die Kaninchen zeigen entweder keine Symptome und liegen tot in den Ställen oder sie bluten kurz vor dem Exodus aus Nase, Maul und Augen", erklärte das saarländische Umweltministerium.

Die neue Variante des Virus, RHD-2, scheint laut Ministerium im Vergleich zur klassischen RHD-Variante noch aggressiver zu sein. Nach Angaben der Züchter sterben 90 Prozent der mit RHD-2 infizierten Tiere.

Die Erkrankung hat sich den Beobachtungen der Amtstierärzte zufolge in diesem Jahr rasant in Deutschland ausgebreitet. Das Virus werde durch direkten Kontakt mit kranken Kaninchen , aber auch über Futter, Kleidung oder Stechmücken übertragen. Die RHD unterliegt weder der Anzeige- noch der Meldepflicht. Deshalb gibt es auch keine amtlichen Zahlen, wie viele Kaninchen im Saarland schon daran verendet sind. Im Landesverband der Rassekaninchenzüchter ist bislang ein Fall gemeldet worden, der auch offiziell vom Friedrich-Loeffler-Institut bestätigt ist.

Diese Einrichtung des Bundes zur Erforschung der Tiergesundheit empfiehlt Haltern zweierlei: erstens die Tiere schützen, denn selbst Tiere in reiner Wohnungshaltung könnten zum Beispiel über Wiese, Kleidung, Schuhsohlen und besonders über Fliegen infiziert werden. Und zweitens die Tiere impfen lassen, was allerdings gar nicht so einfach ist (siehe Infokasten), denn Impfstoffe gegen RHD-2 sind in Deutschland derzeit nicht verfügbar. Impfstoffe aus dem Ausland dürfen nur von Tierärzten verwendet werden, die eine Ausnahmegenehmigung besitzen - im Saarland sind dies vier Veterinäre.

Die rund 1000 Rassekaninchenzüchter im Saarland sind vorsichtig geworden. Horras sagt, der Kreisverband St. Wendel, dem er selbst angehört, habe über eine Tierärztin Impfstoff gegen RHD-1 und RHD-2 für 1200 Tiere bestellt. Auch in den anderen Kreisverbänden im Saarland laufe die Impfung an. "Ende September werden alle Tiere der Rassekaninchenzüchter im Saarland geimpft sein", sagt Horras.

zdrk.de

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Auf einen Blick Laut Friedrich-Loeffler-Institut gibt es zwei Möglichkeiten, Kaninchen zu impfen: Zum einen können sie durch eine zweimalige Impfung mit einem Impfstoff gegen die klassische Variante des RHD-Virus im Abstand von drei Wochen grundimmunisiert und anschließend alle sechs Monate nachgeimpft werden. Die Tiere können sich dann immer noch mit RHD-2 infizieren, erkranken zumeist aber nicht mehr oder zumindest nicht so schwer. Die zweite Möglichkeit ist laut Institut die Impfung gegen RHD-2 mit einem Impfstoff eines französischen Herstellers; hierfür braucht der Tierarzt eine amtliche Ausnahmegenehmigung. Ein zweiter RHD-2 Impfstoff aus Spanien ist für eine EU-weite Zulassung angemeldet. Wann dieser Impfstoff zur Verfügung stehen wird, steht aber noch nicht fest. kir