Charlotte Britz hält die Narren auf Distanz

Erster Rathaussturm am Fetten Donnerstag ist gescheitert. Faasebooze drohen mit neuem Anlauf auf die Stadtkrone am Fastnachtssamstag.

All das Schunkeln, all das Singen, all das Tanzen - es war schön anzuschauen, was die von Franz Kurth angeführte Saarbrücker Narrenrunde anlässlich der traditionellen Übergabeverhandlungen im Saarbrücker Rathaus aufzubieten wusste.

Aber schließlich war das genauso wenig zielführend wie die Anmut des Dudweiler Kinderprinzenpaares Sandro I. und Laura II. und der Charme der Bübinger Tollitäten Dieter I. und Tamara I. Alles ist gegenüber der in Rathausstürmen erprobten Oberbürgermeisterin Charlotte Britz am Fetten Donnerstag wirkungslos verpufft. Was die mehr als 100 Karnevalisten gestern Nachmittag im Rathausfestsaal auch anstellten: Der Oberbürgermeisterin war nichts als ein siegessicheres Lächeln und ein munteres, unverzagtes Schunkeln abzuringen.

Franz Kurth ist Präsident des Dudweiler Carneval-Clubs (DCC). Der DCC feiert in dieser Session närrisches Jubiläum, fünfmal elf Jahre. Ihm gebührt somit die Ehre, die Narrenschar bei den Anläufen auf den Saarbrücker Bürokratenbunker anzuführen. Die Widersacher der Narrenrunde: Alle abkömmlichen Dezernenten und Verwaltungsmitarbeiter mit Oberbürgermeisterin Britz an der Spitze. Der erste Griff der Narren nach dem übergroßen hölzernen Rathausschlüssel als Zeichen der Macht im Hauberrisser-Rathaus war einmal mehr vergebens. Dabei testeten die Karnevalisten auf ein Neues die vor Jahren in den Fokus geratene Statik des Festsaalbodens. Da klatschten Karnevalisten und Verwaltungsvertreter gemeinsam anfeuernd zum Tanz der Mariechen. Der DCC entsandte sein Mariechenduo Cassady Werner und Lena Gerger. Die Rußhütter Eulen schickten ihr Mariechen Nathalie Hanauer. Und die Bübinger Holzäppel ihre karnevalistische Alleintänzerin Emily Schmitt. Dazu noch wiederholtes und minutenlanges Schunkeln zur Musik der Jesse-Lehn-Combo. Das ließ die Rathausmauern zumindest in der Wahrnehmung einzelner Karnevalisten ein bisschen wanken - zwischen Tänzen und Schunkelrunden und kleinen Sticheleien zur Dezernentenriege und zum aktuellen Geschehen in der Stadt. Doch all das konnte Charlotte Britz nicht zur Aufgabe bewegen. Wenigstens lud sie aber noch zur heiteren Feier ins eigens auf dem Gustav-Regler-Platz aufgebaute Festzelt ein, das über den Nachmittag brechend voll wurde. Unter anderen hatte sich für diese rauschende Party SPD-Generalsekretärin Katarina Barley angemeldet.

Da die Machtergreifung am Fetten Donnerstag gescheitert ist, greifen die Karnevalisten am Fastnachtssamstag erneut an. Ihr Plan sieht so aus: Wer den Narren zur Macht verhelfen will, komme am Samstag ab 10 Uhr zur Marktfaasend am St. Johanner Markt.

Dort kommt es bereits zu einem ersten Disput mit Bürgermeister Ralf Latz, die Latzegallis machen närrische Musik dazu. Gegen 11 Uhr folgt dann der Umzug in Richtung Rathaustreppe, wo sich die Parteien erneut gegenüberstehen werden.

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So ist es Tradition beim Rathaussturm Horst Wagner, der Ehren-Präsident des Verbandes Saarländischer Karnevalisten (VSK) und Ehrenmitglied des Bundesverbandes, erklärt die Besonderheiten des Saarbrücker Rathaussturms folgendermaßen: "Es hat in Saarbrücken schon eine lange Tradition, dass zunächst am Fetten Donnerstag über die Übergabe des Rathauses an die Narren verhandelt wird." Ursprünglich sei es ein kleiner Kreis gewesen, der mit einem Kasten Bier auf dem Tisch über den Ablauf des Rathaussturms am Fastnachtssamstag beriet. Später seien die Übergabeverhandlungen im Rathausfestsaal zu einer immer größeren Veranstaltung mit karnevalistischen Beiträgen und einer ersten Redeschlacht zwischen Karnevalistenführer und Stadtoberhaupt geworden.