Chanson: Viel mehr als Piaf!

Sie sind zufrieden – und doch auch wieder nicht: Die Veranstalter der Chansonreihe „Toute premiere fois“, das Chansonarchiv der Uni und das Bistro Malzeit, ziehen eine positive Bilanz, vermissen aber studentisches Publikum, das offenbar beim Chanson immer noch an Klassiker denke.

. Am Freitag war das erste Mal das letzte Mal: Zum letzten Mal vor der Sommerpause ging im gut besuchten Kulturbistro Malzeit ein Termin der Chanson-Reihe "Toute première fois - Das erste Mal" über die Bühne. Der Vater der Reihe, Malzeit-Chef Lothar Bayer, und Programmgestalterin Louise-Anne Botz vom Chansonarchiv der Saar-Uni zeigen sich nach acht Konzerten hocherfreut vom Erfolg ihres im Herbst vergangenen Jahres gestarteten Versuchsballons.

"Ich bin sehr zufrieden. Das saarländisch-französische Publikum ist glücklich, und die Musiker waren auch froh, dass sie hier so aufmerksame Zuhörer fanden", strahlt Botz. Enttäuscht ist sie nur von der Schwerfälligkeit der Studenten: "Ich hätte mir mehr junge Leute im Publikum gewünscht. Aber hier scheint es gerade unter meinen Kommilitonen viele Vorurteile gegenüber dem Genre zu geben - sie haben einen sehr engen und konservativen Begriff von Chanson."

Genau damit wollten die Veranstalter aber eigentlich aufräumen und hatten daher junge, frische Gruppen engagiert, die eben nicht Piaf interpretieren, sondern eigene Titel schreiben und zum ersten Mal in Deutschland auftreten oder ein neues Programm vorstellen. So wie die "Chats Perchés", die am Freitag ihr Debüt auf deutschem Boden gaben. Als ein "Quartett ziemlich wilder Katzen", wie die Ankündigung versprach, entpuppten sich die Vier jedoch nicht: Vielmehr setzen die musikalischen Miezen Alexandra (Kontrabass, Perkussion, Gesang), Mélina (Geige, Gesang) und Daphné am Cello sowie ihr Kater Bertrand (Gitarre, Leadgesang) auf Text-dienliche und daher meist gemächliche Rhythmen und reduzierte akustische Arrangements mit Streicherklängen. Dass die Präsentation teils noch etwas schüchtern ausfiel - was Wunder, schließlich miauen die Katzen ja auch erst ein paar Monate im Rudel, und zwei der Damen kommen obendrein von der Klassik und hatten bislang mit Chanson wenig am Hut. Doch gefiel die Mischung, und die Zuschauer erklatschten sich Zugaben.

Ob und wie es im Herbst weitergeht? Das werden Bayer und Botz demnächst in einem Gespräch mit Kooperationspartnerin Valérie Deshoulières vom Institut Français herausfinden. Der gute Wille ist jedenfalls da: Botz hat noch genug Gruppen in petto, und Bayer freut sich über ein neu erobertes gemischtes Stammpublikum: "Es ist ein gutes Gefühl, wieder mal eine Reihe initiiert zu haben, die von Künstlern wie Publikum gut angenommen wird!"