Chance zur Gemeindeentwicklung nutzen

Seit ein paar Tagen frisst sich der Abrissbagger weiter ins ehemalige Höll-Gelände in Illingen. Am Freitagnachmittag wurden die Bürger vor Ort von Bürgermeister und Ratsfraktionen über die Planungen für den Umbau des Geländes informiert.

Eine gute Nachricht zuerst: Das Höll-Gelände soll aus dem Kommunal-Wahlkampf (Wahltermin am 25. Mai) herausgehalten werden. Das bekräftigten Alfons Vogtel (CDU) und Guido Jost (SPD) bei der Bürger-Info im kalt-strömenden Regen in der Braugasse, dort, wo man dank der Abriss-Arbeiten jetzt einen freien Blick hat auf den ehemaligen Brauerei-Turm. Auch der Illinger Bürgermeister Armin König (CDU) betonte, dass dieses für die Gemeindeentwicklung so wichtige Areal schon in den letzten beiden Jahren kein Objekt des Parteien-Gezänks mehr gewesen sei. Gemeinsam hätten Ratsfraktionen, Ortsrat und Bürger dafür gearbeitet, dass es jetzt voran gehen könne. Jörg-Michael Fries (Hirztaler-Käserei Hirzweiler) als potenzieller Investor habe ein Konzept vorgelegt, in das "sehr stark" die Ergebnisse der Bürgerbefragung von 2012 aufgenommen worden seien. Es sieht (die SZ berichtete bereits) den Erhalt des historischen Brauturmes vor. Ein Mix aus Wohnen, Handel (mit Vollsortimenter), Dienstleistungen und genügend Parkraum solle entstehen. Große Teile der Fabrikgebäude sollen erhalten bleiben, betriebswirtschaftlich orientiertes "Bauen im Bestand" habe Vorrang. So werde, zumindest vorerst, auch das Verwaltungsgebäude zum alten Markt hin stehen bleiben, bis die Planungen abgeschlossen sind.

Finanziert wird die Entwurfsplanung über das Forschungsprojekt ExWoSt (Experimenteller Wohnungs- und Städtebau).

Weitere mögliche Investoren sind der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) und die Landesentwicklungs-Gesellschaft (LEG) mit einem neuartigen seniorengerechten Wohnkonzept. Mit dem Landesbetrieb für Straßenbau werden Verhandlungen wegen eines Kreisels an der Zehntscheune geführt. "Die Zeiten des freien Marktes und der Würstchenverkäufer sind hier vorbei", dankte König wie auch sein Parteikollege Vogtel dem Land für dessen finanzielles Engagement für Illingen in Zusammenhang mit der Höll-Insolvenz. Guido Jost, nicht nur SPD-Fraktionsvorsitzender in Illingen, sondern auch ASB-Landesvorsitzender, lobte den Freitag als "guten Tag für Illingen", konnte sich aber eine klitzekleine Wahlkampf-Bemerkung dann doch nicht verkneifen. Es bewegt sich was auf dem Höll-Gelände: Illingen darf jetzt also wieder mit Optimismus nach vorne blicken, auch wenn - wie Alfons Vogtel klar machte - noch nicht alles auf der sicheren Seite ist. 2001 ist Höll ausgezogen. Ludger Wolf, Leiter des Fachbereichs Wirtschaft, Umwelt und Entwicklung in der Gemeindeverwaltung, ist seitdem mit der Brache intensiv beschäftigt. Dafür dankte ihm sein Verwaltungschef jetzt ausdrücklich.