Captain Sperrmüll und der Rest der Welt

Das nennt man Pech: Ursprünglich hätte die neue CD der Polit-Rockband "Captain Sperrmüll" Mitte März präsentiert werden sollen, und für dieses Konzert hatte sich auch jede Menge Publikum angesagt.

Saarbrücken. Das nennt man Pech: Ursprünglich hätte die neue CD der Polit-Rockband "Captain Sperrmüll" Mitte März präsentiert werden sollen, und für dieses Konzert hatte sich auch jede Menge Publikum angesagt. Doch musste der Auftritt wegen einer Erkrankung des Bandgründers Didi Conrath verschoben werden, und den Ersatztermin bekam offenbar nicht jeder mit. So tummelte sich eine recht überschaubare Menge Fans im Malstatter Kultur- und Bürgerzentrum Breite 63, um "Fette Beute" zu machen: so der auf raffgierige Schnäppchen-Mentalität zielende Titel des Albums, das während der letzten fünf Jahre aufgenommen wurde und alte wie neue Titel des Bandchefs versammelt.Fett waren auch die Sounds: Die aktuelle Besetzung kann sich hören lassen und geht offensiv zur Sache. Didi (Leadgitarre, Gesang) und die Chorknaben seines Vertrauens (Felix Hubert, E-Bass; Jan Marco Becker, Schlagzeug und Melodica, sowie Stephan Goldbach, der ebenso kurzfristig wie erfolgreich für Conraths verhinderten Sohn Adrian an der Gitarre eingesprungen war) setzen auf wuchtige Klänge, markige Moderation und drastische Texte. Evolution statt Revolution! Mit Songs wie "Ich fresse Scheiße" oder "Fernsehen fickt Deine Seele" singt Conrath an gegen alles, womit man sich Hirn und Bauch zumüllen kann. Dabei haftet seinem engagierten Deutschrock oft eine überholte Nostalgie an. Von zeitloser Güte dagegen ein uriger Bluesrock wie "Captain Sperrmüll", bei dem Conrath seine beträchtlichen Qualitäten als ungebremster virtuoser Ausdrucksmusiker unter Beweis stellen konnte. kek