Burbacher Wähler interessieren die Wissenschaft

Auch im Burbacher Wahlbezirk 2412 stellten sich gestern Ehrenamtliche in den Dienst der Demokratie. Sie hatten noch mehr Papier zu bewegen und auszuwerten als andere Teams im Lande. Forscher wollen aus den Burbacher Zahlen allgemeingültige Schlüsse ziehen.

 Jasmin Maurer von der Piratenpartei an der Wahlurne.
Jasmin Maurer von der Piratenpartei an der Wahlurne.
 Sie waren als Wahlhelfer im Bürgerhaus Burbach für den Bezirk 2412 zuständig (v.l.): Jürgen Schneider, Svetlana Perwych, Herbert Bohnenberger und Patrice Westrich. Fotos: Becker&Bredel
Sie waren als Wahlhelfer im Bürgerhaus Burbach für den Bezirk 2412 zuständig (v.l.): Jürgen Schneider, Svetlana Perwych, Herbert Bohnenberger und Patrice Westrich. Fotos: Becker&Bredel

Mehr Stimmzettel als sonst haben Wähler und Wahlhelfer am Sonntag auseinanderzuhalten. So viele wie im Burbacher Wahlbezirk 2412 im Bürgerhaus sind dann aber doch ungewöhnlich. Ein gutes Dutzend Stapel mit Stimmzetteln haben Wahlvorstand Jürgen Schneider und seine Helfer vor sich. "Das liegt daran, dass wir ein repräsentativer Wahlbezirk sind", sagt Schneider. Das bedeutet, dass sich die Statistiker besonders für den Bezirk interessieren, weil sie sich von dort aussagekräftige Werte versprechen. Selbstverständlich dringt trotzdem nichts nach außen, was die geheime Wahl gefährden könnte. Um 12 Uhr, 14 Uhr und um 16 Uhr vermeldet Schneider die Wahlbeteiligung. Gegen Mittag nennt er diese noch mau: "Gerade einmal 80 von knapp 2000 Wahlberechtigten waren bis jetzt da."

Dann kommt er zu der Fülle von Stimmzetteln. "Für die Europawahl sind die einmal nach Geschlecht und dann noch einmal in verschiedene Altersgruppen unterteilt", erklärt er. Die kommen beim Wahlvorgang zwar alle in dieselbe Urne und werden auch zunächst am Abend ganz normal miteinander ausgezählt. "Nach der Wahl werden sie dann aber statistisch ausgewertet, weil wir eben repräsentativ sind."

Zehn Stunden sind die Wahlhelfer im Einsatz. Die Frühschicht teilt sich Schneider mit Herbert Bohnenberger, Patrice Westrich und Svetlana Perwych. Nachmittags übernehmen Schneiders Stellvertreter Andreas Niggeloh, Petra Slapnik, Yvonne Niggeloh, Christina Scherf und Sandor Gaal. An der Auszählung sind alle beteiligt. Im großen Saal müssen die Wahlhelfer genau aufpassen. Denn sie teilen sich den Saal mit dem Team, das für den Wahlbezirk 2411 zuständig ist.

Sobald sich ein Wähler im Bezirk vertut, schicken ihn die aufmerksamen Wahlhelfer aber sofort an die richtige Stelle. Auch in besonderen Fällen müssen die Wahlhelfer unterstützen. "Der Blindenverband hat mir eine Schablone mitgegeben, aber das ist mir zu kompliziert", sagt die stark sehbehinderte Martha M.. "Ein Wahlhelfer wird Ihnen zur Seite stehen, das Kreuz an der Stelle machen, die Sie ihm nennen, und mit ihren Angaben vertraulich umgehen", sagt Schneider. Die Wählerin stimmt dem Vorschlag zu.

Wählerverzeichnis ist wichtig

Wichtigstes Dokument der Wahlhelfer ist das Wählerverzeichnis. Darin sind alle Wahlberechtigten aufgeführt - unter anderem mit dem Vermerk, ob sie Briefwahl-Unterlagen angefordert haben oder nicht. "Stand Samstagmittag", sagt Schneider. Änderungen sind noch möglich. "Wer etwa einen Unfall hat und nicht ins Wahllokal kommen kann, kann noch am Wahltag bis 15 Uhr Briefwahl-Unterlagen anfordern", sagt Schneider. Die Information vom Hauptwahlamt im Rathaus bekommt Schneider telefonisch und muss das Wählerverzeichnis fortschreiben. Die öffentliche Auszählung kurz nach 18 Uhr interessiert nach seinen Erfahrungen Bürger kaum: "Nur ab und zu schaut ein Kommunalpolitiker zu."