Bürger reden beim Verkehr von morgen mit

Wie funktioniert die Verkehrsplanung in Saarbrücken? Und wie wollen die Bürger morgen mobil sein? Bei einem Planungsspaziergang war der öffentliche Nahverkehr das Hauptthema.

. Als Geograf Jürgen Meyer in der Kaiserstraße die Teilnehmer des Planungsspaziergangs fragt, was ihnen negativ oder positiv zum öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Saarbrücken einfällt, muss er nicht lange auf Antworten warten. "Zu teuer", sagt eine Frau. Es gebe zu wenig Busse am Abend, eine zweite. Eine dritte vermisst einen Wetterschutz an der Bushaltestelle des Klinikums Saarbrücken .

"Mich stört fürchterlich die Vernebelung der Scheiben", meldet sich eine vierte und beklagt, sie habe sich wegen dieser Werbeaufkleber an den Bussen sogar schon verfahren. "Gibt's denn gar nichts Positives?", hakt Meyer nach. Doch: Die Busfahrer seien rücksichtsvoll. Und dass die Saarbahn bis Saargemünd fährt, loben zwei Teilnehmer. Aber dafür mussten sie lange überlegen. 21 Frauen und Männer folgen Jürgen Meyer und Markus Philipp, ebenfalls Geograf, am Freitagnachmittag durch die Innenstadt. Die Rundgangsleiter vom Verein Geographie ohne Grenzen hatten von der Stadt den Auftrag, den Bürgern den Verkehrsentwicklungsplan (VEP) zu erläutern. Den schreibt die Verwaltung neu, um festzulegen, wie sich die Kommune bei Verkehr und Mobilität bis 2030 entwickeln soll. An diesem Prozess sollen sich die Bürger beteiligen, in großen Diskussionsrunden, den sogenannten Bürgerforen, geführten Radtouren und Spaziergängen, wie diesem. Los ging er am Freitag am Knotenpunkt Hauptbahnhof, wo Meyer und Philipps unter anderem erläuterten, wie häufig die Saarbrücker sich zu Fuß, mit dem Pkw, dem ÖPNV oder dem Rad fortbewegen. Von dort ging die Gruppe auf einen fast dreistündigen Parcours bis zum Max-Ophüls-Platz. Unterwegs beleuchteten die Experten einzelne Themen genauer: In der Kaiserstraße ging es um den ÖPNV, in der Sulzbachstraße vorm Parkhaus Lampertshof etwa um das innerstädtische Parken. "Die Stadt müsste eigentlich ein Interesse haben, die Autos rauszuhalten, aber sie macht das Gegenteil. Sie baut Parkhäuser", sagte ein älterer Herr. Und er war nicht der einzige. "Ich bin positiv überrascht, dass ich hier mehrheitlich Leute treffe, die ähnlicher Meinung sind wie ich, dass es mehr Fußgänger und weniger Autos geben sollte und dass man hier wirklich versucht, Dinge zu verändern", sagt eine 30-jährige Saarbrückerin. Wie sie brannten die meisten darauf, Erfahrungen, Beobachtungen und Veränderungsvorschläge einzubringen. Und sie bedauerten, dass keine Stadtratspolitiker an diesem Rundgang teilnahmen. Alle Vorschläge würden aber aufgeschrieben, sagte Philipp.

Vier weitere Rundgänge sind geplant. Infos im Internet.

vep.saarbruecken.de