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Bürger reden beim neuen Verkehrsplan mit

Saarbrücken. Sehr viel Autoverkehr, aber im Vergleich mit anderen Städten sehr wenige Radler. Das ist das Ergebnis einer Analyse, die Grundlage für die weitere Diskussion über den Verkehrsentwicklungsplan ist. Alexander Stallmann

Jetzt sind die Bürger gefragt: Wie soll sich der Verkehr in Saarbrücken in der Zukunft entwickeln? Soll es ein besser ausgebautes Netz von Bus und Bahn geben? Mehr Radwege? Sicherere Gehwege? Oder sollte in erster Linie die Situation der Autofahrer berücksichtigt werden, da sie immer noch die größte Gruppe unter den Verkehrsteilnehmern sind? Am Samstag diskutierten im VHS-Zentrum am Schloss nach Angaben der Stadt rund 170 Saarbrücker mit Experten und Vertretern der Verwaltung beim ersten Bürgerforum über den neuen Verkehrsentwicklungsplan (VEP) der Landeshauptstadt. In dem neuen VEP soll die Verkehrspolitik bis zum Jahr 2030 festgelegt werden.

Die Stadtverwaltung setzt bei der Entwicklung des neuen VEP auf die Beteiligung der Bürger . Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD ) brachte es während ihrer Eröffnungsrede auf den Punkt: "Sie sind die Experten ." Egal, ob mit dem Auto, dem Fahrrad, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder zu Fuß - das Thema Verkehr betrifft jeden Saarbrücker unmittelbar in seinem Alltag. Mit der Entwicklung des VEP sind die beiden Stadt- und Verkehrsplanungsbüros "Planersocietät" sowie "Gertz, Gutsche, Rümenapp" beauftragt. Michael Frehn von der "Planersocietät" stellte einige Ergebnisse einer Bestandsanalyse in Saarbrücken vor. Bei der Wahl der Verkehrsmittel falle laut Frehn vor allem eines auf: Saarbrücken hat gegenüber vergleichbaren Großstädten wie Trier, Koblenz, Aachen oder Mainz einen deutlich geringeren Fahrradanteil, aber einen überwiegend höheren Anteil des Autoverkehrs.

Nur vier Prozent der Wege werden nach Angaben Frehns von den Saarbrückern mit dem Rad zurückgelegt, 56 Prozent mit dem Auto, 23 Prozent zu Fuß und 17 Prozent mit Bus und Bahn. Und weil in der Stadt auch über ein Drittel der Wege, die kürzer als zwei Kilometer sind, mit dem Auto zurückgelegt werden, sieht Frehn vor allem hier ein mögliches Handlungsfeld für den Fuß- und Radverkehr. Bei der Verkehrssicherheit ist die Stadt auf einem guten Weg. Von 2003 bis 2012 ist die Zahl der Unfälle mit Personenschaden oder hohem Sachschaden um 8,5 Prozent gesunken. Die Unfallzahlen seien im gesamten Bundesgebiet aber um 17 Prozent gesunken.

Mit den Denkanstößen der Bestandsanalyse ging es dann in die Diskussionsrunden. Dort sprachen Bürger in vier Gruppen mit den Experten . Je eine Gruppe beschäftigte sich intensiv mit der Situation der Radfahrer, Fußgänger , Autofahrer und dem öffentlichen Nahverkehr. Jeder konnte dazu Stellung beziehen, wie sich die Verkehrssituation aus seiner Sicht darstellt. Die Anregungen der Teilnehmer werden festgehalten und sollen unter anderem auch mit den Bestandsanalysen der Experten verglichen werden. Es geht um die Frage, ob sich die Analysen mit den täglichen Wahrnehmungen der Bürger decken. In der Fußgänger-Gruppe bemängelte eine Saarbrückerin, dass die Fußgänger in den Planungen der Stadt fast keine Rolle spielten, da sie keine Lobby hätten. Die anwesende Baudezernentin Rena Wandel-Hoefer entgegnete, dass die Verwaltung die Interessen der Fußgänger sehr wohl berücksichtige und nannte als Beispiele die Berliner-Promenade und das Willi-Graf-Ufer. Außerdem habe der neue VEP den Fußgänger deutlich stärker im Blick als der letzte Plan von 1994.

Neben drei weiteren Bürgerforen sind auch vier Radtouren und vier Rundgänge geplant, an denen sich alle interessierten Saarbrücker beteiligen können. 2016 soll der Stadtrat nach Angaben der Verwaltung den VEP beschließen.

vep.saarbruecken.de