Brückensperrung: Anke Rehlinger rät zu Umstieg auf die Bahn

Brückensperrung: Anke Rehlinger rät zu Umstieg auf die Bahn

Die Ingenieure des vom LfS beauftragten Gutachterbüros sind sich sicher: An einem Neubau der Fechinger Talbrücke führt kein Weg vorbei. Derzeit wird die Brücke erleichtert, damit ab Mitte Mai zumindest der Autoverkehr wieder rollen kann.

Verkehrsministerin Anke Rehlinger (SPD ) steht heute ein anstrengender Arbeitstag bevor. Rehlinger, die ihren Osterurlaub wegen der Folgen der Vollsperrung der Fechinger A-6-Talbrücke frühzeitig abgebrochen hatte, lässt sich heute in kurzen Abständen über die Verkehrslage rund um diesen neuen Brennpunkt im Saarland informieren, wie sie der SZ berichtete. "Jeder Pkw-Fahrer, der die Umleitungsstrecken nicht nutzt oder auf den Öffentlichen Personennahverkehr umsteigt, hilft die Situation zur Entlastung der Anwohner zu verbessern", betonte Rehlinger. Dabei wird Rehlinger heute nicht nur gespannt auf etwaige Stau- oder Unfallmeldungen rund um den wunden Punkt in Fechingen warten. Ihr Programm sieht nach der SPD-Landtagsfraktionsitzung auch noch gegen 11 Uhr die Unterstützung der Saar-Stahlindustrie vor; Rehlinger wird in Völklingen an diesem "Stahltag" mit demonstrieren für einen Grundpfeiler der Selbstständigkeit des Bundeslandes. Und am Nachmittag ab 15 Uhr wird im Verkehrsausschuss des Landtags Tacheles geredet. Gefüttert mit den Nachrichten von der Belastungsprobe der vom Landesbetrieb für Straßenbau (LfS) eingerichteten Umleitungen will die Opposition Auskunft darüber verlangen, wie es zum Desaster der Vollsperrung der saarländischen Lebensader A 6 in Fechingen kommen konnte.

"Wir haben am Montag mit einem erhöhten Verkehrsaufkommen zu rechnen, aufgrund der Tatsache, dass jetzt die Ferien zu Ende sind", sagte Rehlinger. Die Ausschilderung der Umleitungen befinde sich in einem "laufenden Prozess der Optimierung". "Wenn es Stellen gibt, wo noch ein Umleitungsschild fehlt, kommt auch noch eins dazu", erklärte die Verkehrsministerin. Besonders am Neunkircher Kreuz habe der LfS Probleme mit der Ausschilderung, da die elektronischen Hinweistafeln über der A 6, die den überregionalen Verkehr , vor allem die Lkw, über die A 8 nach Saarlouis und Frankreich/Luxemburg umleiten sollen, defekt sind. Der LfS stellte weiße Hinweisschilder an den Fahrbahnrand (die SZ berichtete). Diese sollen in dieser Woche mit Blinkleuchten versehen werden, so dass die Hinweiswirkung besser wird, wie LfS-Direktor Michael Hoppstädter sagte.

Am vergangenen Wochenende wurde an der Umleitung L 108, die von St. Ingbert-West über den Staffel, den Flughafen Ensheim nach Fechingen führt, gearbeitet. "Da werden die Bankette sicherer gemacht. Es gilt Tempo 50 auf der ganzen Strecke", betonte Hoppstädter. Diese Umleitung hatte sich in den ersten beiden Wochen nach der Vollsperrung zum Unfallschwerpunkt entwickelt, ein Lkw war seitlich in die Wiese gekippt, da es neben der Straße keinen festen Rand gibt.

"Es werden mobile Blitzer auf der L 108 eingesetzt", sagte der LfS-Vizechef Werner Nauerz. Zudem sei die Camphauser Straße am Ende der A 623 von Sulzbach kommend nun durchgängig zweispurig befahrbar. "Es gibt auch längere Grünphasen für den Verkehr von und zur A 623 am Ludwigskreisel", sagte Rehlinger. Besonders wichtig sei ihr die Schulwegsicherung. So seien Ampeln aufgestellt worden: Am Industriegebiet Ensheim und An der Heringsmühle in Fechingen. Zudem gebe es eine Ampel an A 6-Abfahrt in St. Ingbert-West.

"Bei Googlemaps und im GPS sind die Umleitungen jetzt eingepflegt. Wichtig ist, dass die Lkw-Fahrer, die oft den CB-Funk nutzen, vor dem Neunkircher Kreuz über die Umleitung informiert werden", sagte Rehlinger. Die Umleitung über die Kaiserstraße von Saarbrücken nach St. Ingbert über das Scheidter Tal sei auch ohne Baustelle passierbar, sagte Nauerz. Rehlinger riet Bildungs- und Berufspendlern, das Schnupper-Abo des Saar-VV zu wählen. "Auf der Bahnstrecke ab Homburg gibt es im morgendlichen Verkehr vier Züge mir ausreichenden Kapazitäten", sagte Rehlinger.Nach der Vollsperrung der Fechinger Talbrücke haben nun die Bauarbeiten begonnen, um die Brücke leichter und damit wenigstens für Autos wieder befahrbar zu machen. Derzeit werden die Mittelkappen - Betonplatten, die die Fahrbahnen voneinander trennen - entfernt. Diese Woche soll der Asphalt abgefräst werden.

Doch wie kann die Brücke, deren Pfeiler bei zu großer Belastung einzustürzen drohen, die tonnenschweren Baumaschinen tragen? Das ist laut Gutachter Martin Hofmann vom Bad Kreuznacher Ingenieurbüro Verheyen kein Problem: "Den Baustellenverkehr hat man ja im Griff. Man kann festlegen, welche Maschinen wann und wo auf der Brücke sind." Den normalen Verkehr könne man hingegen nicht steuern: "Hier muss man theoretisch davon ausgehen, dass die Brücke komplett mit Fahrzeugen vollgestellt ist."

Wie kann eine Brücke, die 50 Jahre lang hielt, überhaupt von einem Tag auf den anderen einsturzgefährdet sein? Das Problem liegt vor allem darin, dass die Brücke nicht mehr den heutigen Sicherheitsvorschriften entspricht. Nach Angabe der Gutachter ist der "Sicherheitspuffer" zwischen der Tragfähigkeit und der tatsächlichen Belastung viel zu gering. Ein solcher Puffer sei vorgeschrieben, um Unwägbarkeiten kompensieren zu können, sagte Johannes Naumes vom Ingenieurbüro Verheyen. Solche Unwägbarkeiten könnten beispielsweise unerkannte Baumängel sein oder ein unerwartet hohes Verkehrsaufkommen.

Der Sicherheitsabstand habe den Anforderungen im Baujahr 1963 entsprochen, sagte Hofmann. Doch inzwischen hat man erkannt, dass die Stahlpfeiler ausbeulen und knicken könnten. Ein Versagensfall, der in den 60er Jahren nicht bekannt war. Rechnet man diesen nun mit hinein, lässt das den Sicherheitspuffer deutlich schrumpfen. "Dann ist die Schmerzgrenze der Verantwortung überschritten, und es bleibt nur die Sperrung", sagte Hofmann.

Der komplette Neubau der Brücke ist aus Sicht der Gutachter unumgänglich. Lediglich die Pfeiler auszutauschen, mache keinen Sinn, sagte Naumes. Denn auch der Überbau werde Zeichen der Alterung zeigen, etwa Risse, und keine weiteren 50 Jahre halten. "Den Überbau zu sanieren wäre eine solch massive Maßnahme, dass sie weder wirtschaftlich noch technisch Sinn macht", sagte Naumes.Stahlpfeiler können einknicken

Auf der Talbrücke wird Beton entfernt, damit das Bauwerk leichter wird. Foto: B&B. Foto: B&B

Neubau der Talbrücke aus Gutachtersicht unumgänglich

Die Ingenieure des vom LfS beauftragten Gutachterbüros sind sich sicher: An einem Neubau der Fechinger Talbrücke führt kein Weg vorbei. Derzeit wird die Brücke erleichtert, damit ab Mitte Mai zumindest der Autoverkehr wieder rollen kann.

Saarbrücken . Nach der Vollsperrung der Fechinger Talbrücke haben nun die Bauarbeiten begonnen, um die Brücke leichter und damit wenigstens für Autos wieder befahrbar zu machen. Derzeit werden die Mittelkappen - Betonplatten, die die Fahrbahnen voneinander trennen - entfernt. Diese Woche soll der Asphalt abgefräst werden. Doch wie kann die Brücke, deren Pfeiler bei zu großer Belastung einzustürzen drohen, die tonnenschweren Baumaschinen tragen? Das ist laut Gutachter Martin Hofmann vom Bad Kreuznacher Ingenieurbüro Verheyen kein Problem: "Den Baustellenverkehr hat man ja im Griff. Man kann festlegen, welche Maschinen wann und wo auf der Brücke sind." Den normalen Verkehr könne man hingegen nicht steuern: "Hier muss man theoretisch davon ausgehen, dass die Brücke komplett mit Fahrzeugen vollgestellt ist." Wie kann eine Brücke, die 50 Jahre lang hielt, überhaupt von einem Tag auf den anderen einsturzgefährdet sein?

Das Problem liegt vor allem darin, dass die Brücke nicht mehr den heutigen Sicherheitsvorschriften entspricht. Nach Angabe der Gutachter ist der "Sicherheitspuffer" zwischen der Tragfä- higkeit und der tatsächlichen Belastung viel zu gering. Ein solcher Puffer sei vorgeschrieben, um Unwägbarkeiten kompensieren zu können, sagte Johannes Naumes vom Ingenieurbüro Verheyen. Solche Unwägbarkeiten könnten beispielsweise unerkannte Baumängel sein oder ein unerwartet hohes Verkehrsaufkommen. Der Sicherheitsabstand habe den Anforderungen im Baujahr 1963 entsprochen, sagte Hofmann. Doch inzwischen hat man erkannt, dass die Stahlpfeiler ausbeulen und knicken könnten.

Ein Versagensfall, der in den 60er Jahren nicht bekannt war. Rechnet man diesen nun mit hinein, lässt das den Sicherheitspuffer deutlich schrumpfen. "Dann ist die Schmerzgrenze der Verantwortung überschritten, und es bleibt nur die Sperrung", sagte Hofmann. Der komplette Neubau der Brücke ist aus Sicht der Gutachter unumgänglich. Lediglich die Pfeiler auszutauschen, mache keinen Sinn, sagte Naumes. Denn auch der Überbau werde Zeichen der Alterung zeigen, etwa Risse, und keine weiteren 50 Jahre halten. "Den Überbau zu sanieren wäre eine solch massive Maßnahme, dass sie weder wirtschaftlich noch technisch Sinn macht", sagte Naumes. noe D

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