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Blicke durch Fenster eröffnen neue Sicht

Opus 32
Opus 32
Dagstuhl. Das Leibniz-Zentrum Schloss Dagstuhl präsentiert seit Montag in einer Gedächtnisausstellung für den saarländischen Maler Aloys Ohlmann erstmals seine Serie von 36 Fensterbildern, die 1991 entstanden ist. Sylvie Rauch

Der in Baltersweiler bei St. Wendel geborene, und im vergangenen September im Alter von 75 Jahren verstorbene Künstler schuf diese Werkreihe als Hommage an den Bauhauskünstler Oskar Schlemmer, der 1942 einen Zyklus von 18 Bildern malte, die Fensteraus- und -einblicke aus unterschiedlicher Sicht darstellten.

Einführung in das Leben

Professor Karl Otto Jung übernahm während der Vernissage in Dagstuhl gemeinsam mit Professor Reinhard Wilhelm, dem wissenschaftlichen Direktor des Leibniz-Zentrums, die Einführung in das Leben und Wirken, sowie in das ausgestellte Werk Aloys Ohlmanns zur Vernissage am vergangenen Montag.

Er sei neugierig gewesen, wie Ohlmann wohl die Anregung durch Oskar Schlemmers Werke aufgenommen habe, als er in Vorbereitung auf die Ausstellung erstmals auf die Bilder des Saarländers stieß, verriet Professor Karl Otto Jung. "Zu meiner Überraschung waren es nicht 18, sondern 36 Fensterbilder. Wer jedoch Aloys und dessen gewaltige intuitiv schöpferische Kraft kannte, der wird nicht groß verwundert sein, dass er mal schnell die Zahl seiner Fensterbilder auf 36 verdoppelte", erklärte der Freund des Malers.

Obwohl dieser sein ganzes Leben seinem Geburtsort Baltersweiler treu geblieben sei, so sei er dennoch kein sanfter, menschenscheuer Emerit gewesen. Er habe sich politisch, und künstlerisch eingemischt, und das nicht nur in seiner Heimat sondern weltweit.

Ob mit Mail-Art-Aktionen, Ausstellungen zu Menschenrechten oder zu ökologischen Fragen. "Er konnte sich ärgern über Ungerechtigkeit, er nahm kein Blatt vor den Mund, er kroch vor niemandem und er biederte sich nicht an. Er hatte so etwas von einem ruppigen Propheten des Alten Testaments an sich, nicht nur in seinem Habitus, sondern auch in seinem Aussehen mit Bart und Mähne", beschreibt ihn Professor Karl Otto Jung.

Arbeiten soll man genießen

Zum Abschluss seiner Ausführungen lud Professor Karl Otto Jung die Gäste der Vernissage, aber auch alle späteren Besucher der Ausstellung zu einer intensiven Auseinandersetzung und dem Genießen der Arbeiten Aloys Ohlmanns ein: "Sie werden sehen und erleben, wie jeder Blick durch ein Fenster Ihnen einen neue Sicht auf einen Aspekt von Welt öffnet, mal heiter, mal traurig, mal beängstigend, aber immer aktuell Bezug nehmend auf die Welt. Und denken Sie an seine Worte: Ich denke mehr, als in Wirklichkeit ist."

Geöffnet bis zum 5. Mai im Leibniz-Zentrum Schloss Dagstuhl. Die Öffnungszeiten sind: Montag bis Donnerstag von 8 bis 16 Uhr, Freitag von 9 bis 14 Uhr. Voranmeldung unter Telefonnummer (0 68 71) 90 50.

Die Bilder von Aloys Ohlmann, die in Dagstuhl zu sehen sind, sind Aquarelle, gemalt auf rein weißem Aquarellkarton. In Anlehnung an die Arbeiten von Oskar Schlemmer sind die Bilder von Ohlmann ebenfalls Blicke aus dem Fenster oder in ein Fenster. Auch er gestalte ein mit einem bestimmten Raum und einer bestimmbaren Zeit verbundenes Seherlebnis zu einer Bildgestalt. Aber im Gegensatz zu Oskar Schlemmer sei ihm das Motiv Anlass zu einer neuen Sinn stiftenden visuellen Gestaltung, aber nicht Vorlage zu einer wie auch immer abstrahierten Kopie der Realität. Ohlmann spinnt sein Motiv fort, lässt sein Eigenleben entfalten, denkt mehr, als in Wirklichkeit ist, so Jung.

Die eher kleinformatigen Bilder Ohlmanns zeigen ganz unterschiedliche Blicke auf verschiedenste Motive. Mal ganz alltäglich mit der Katze auf dem Fensterbrett, mal herausfordernd wie etwa in "Der Vogelschrei", mit den Untertitel "Mein Gott, mein Gott, wozu hast Du uns geschaffen?". In "Das sich Öffnen" malte Ohlmann den Blick durch sein heimisches Fenster in Baltersweiler. So unterschiedlich die Bildgestaltung, eines ist den Arbeiten gemein: Sie sind mit einem hohen Maß an Präzision.



Opus 27 Fotos: Sylvie Rauch
Opus 27 Fotos: Sylvie Rauch
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