Birkenfeld und St. Wendel als eine Region vermarkten

Um Visionen ging es beim Vortrag des Österreichers Josef Ober vor rund 100 Unternehmern im Umwelt-Campus in Neubrücke. Visionen verfolgen auch die Landkreise Birkenfeld und St. Wendel mit dem länderübergreifenden Unternehmertreff, der am Freitag zum ersten, aber wohl nicht zum letzten Mal über die Bühne ging.

Sich kennen lernen, miteinander ins Gespräch kommen, Kontakte knüpfen: Das ist laut Hans-Josef Scholl, dem Chef der St. Wendeler Wirtschaftsförderungsgesellschaft, Ziel des ersten länderübergreifenden Unternehmertreffs am Freitag auf dem Umwelt-Campus in Neubrücke (wir berichteten). So freute er sich, dass es rund 100 Rückmeldungen auf die Einladungen an Unternehmer in den Landkreisen Birkenfeld und St. Wendel gab. Das zeige auch, dass die Länder- und Kreisgrenzen keine Rolle spielen, keine Rolle spielen dürften. So soll der Unternehmertreff denn auch keine Eintagsfliege sein. Scholl denkt an eine Veranstaltung dieser Art einmal im Jahr - das nächste Mal dann wohl im Landkreis St. Wendel.

Länderübergreifendes Treffen - bei diesen Schlagwörtern wurde Norbert Kuhn, dem Hausherrn und Präsidenten der Hochschule Trier, erst einmal bewusst, dass er Tag für Tag zwischen zwei Bundesländern pendelt. Er wohnt er Homburg - und arbeitet in Trier und in Neubrücke. Die Tatsache, dass er jeden Tag über eine Grenze fährt, das aber gar nicht registriert, zeige schon: "Die Randlage hat sich zum Positiven gewendet." Genau wie das Image des Umwelt-Campus'. Als er 1998 in die Region kam und versuchte, Kontakte in der Wirtschaft zu knüpfen, da habe man ihn oft erstaunt angeschaut, weil er so gar nicht in das Bild passte, das viele zum Thema Umwelt hatten - kein Vollbart, keine Birkenstock. Heute sei ganz klar: Ökonomie und Ökologie stehen nicht im Widerspruch. Diese These verfolge der Campus bis heute. Mit Erfolg. Habe man zum ersten Studienjahr 1996 mit 1200 Studenten geplant, so seien es heute 2700. 40 Prozent kommen aus Rheinland-Pfalz, 40 Prozent aus dem Saarland, der Rest aus der ganzen Republik. "Wobei wir immer ein paar Saarländer mehr als Rheinland-Pfälzer haben", sagt Kuhn.

Neue Wege gehen

So bezeichnet der Birkenfelder Landrat Matthias Schneider den Campus als "wahren Edelstein der Region". Mit der Edelsteinregion Idar-Oberstein gehe es bergab, und auch das zweite Flaggschiff des Landkreises, das Militär, "auf dem wir und jahrzehntelang bequem ausgeruht haben", breche weg. Dazu Schneider: "Uns steht das Wasser bis zum Hals." Daher gelte es, neue Weg zu gehen, sich zu vernetzen "wo es Sinn macht". Der wichtigste Sparringspartner, wie es Schneider ausdrückt, sei dabei der Landkreis St. Wendel. Nicht nur wegen der Historie, sondern auch in Sachen Bedürfnisse und Mentalität der Bevölkerung sei man sich doch sehr ähnlich.

Auch der St. Wendeler Landrat Udo Recktenwald sagt: "Wirtschaftliche Anstrengungen brauchen neue Wege und Konzepte zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes." Ähnlich wie im Tourismus, kenne auch die Wirtschaft keine Grenzen: "Wir müssen als gemeinsame Region den Weg bestreiten." Und weiter: "Dann haben wir die große Chance, der Region ein Profil zu geben, das ein Alleinstellungsmerkmal sein kann."

Ideen, wie so etwas aussehen kann, gab Josef Ober aus Österreich, der zum Thema "Regionen in Wert setzen und in eine neue Zukunft transferieren" referierte. Kernaussagen seines Vortrags waren: Eine Region, ein Unternehmen brauche Visionen. Um diese zu verwirklichen, müsse man Kräfte bündeln. Und er rät, das "Bestehende zu würdigen": "Wir sollten Dinge, die wir haben, aufwerten, mit einer neuen Bedeutung versehen und attraktiv und zeitgemäß verpacken."