Bill haut wieder in die Tasten

Er wünsche sich einen Computer, hatte Bill Baltes in einem SZ-Artikel erwähnt. Dann könne der mittlerweile trockene Alkoholiker wieder programmieren, was früher sein Beruf war. SZ-Leser erfüllten ihm den Wunsch.

Andreas Klemm ist Schreiner und bastelt in seiner Freizeit mit viel Geduld an Computern herum, behebt kleine Macken, bringt Systeme wieder zum Laufen und installiert Programme. Er macht das, was gerade unerfahrene oder ältere Computernutzer leicht zum Verzweifeln bringen kann und bietet im Internet seine Hilfe an. Als er an Heiligabend in der Saarbrücker Zeitung von Bill Baltes' Schicksal erfuhr und dessen Wunsch, einen eigenen Computer zu besitzen, bot er spontan seine Unterstützung an. Denn wie viele andere Leser auch, konnte sich Andreas Klemm an Bill erinnern.

Jahrelang gehörte er quasi zum Stadtbild, saß auf dem Mäuerchen oberhalb der Rolltreppe zur Diskontopassage am St. Johanner Markt und hoffte, dass ein Paar Münzen in seiner Mütze landeten, die vor ihm auf dem Boden lag. Irgendwann wurde ein Geländer an dem Mäuerchen angebracht und Bill verlor seinen angestammten Platz. Er rückte ein paar Meter weiter und kurz darauf war er ganz verschwunden. Ein Sturz und ein gebrochener Oberschenkelhals machten ihn immobil, aber dafür kam er weg vom Alkohol. Seit mehr als sieben Monaten ist er trocken.

Nachdem Bills Geschichte in unsere Zeitung gestanden hat, boten viele Leser ihre Unterstützung an. Eine Saarbrückerin stiftete einen Monitor und einen Drucker und brachte beides zu Bill nach Hause auf den Eschberg, wo der 58-jährige Frührentner mittlerweile wohnt.

Ehemaliger Programmierer

Andreas Klemm brachte nun den Rest vorbei und erstellte mit viel technischem Sachverstand aus Maus, Tastatur und Zentraleinheit eines alten PCs ein funktionierendes System. "Jetzt kann ich endlich was anderes machen, als den ganzen Abend fernsehen", sagteBill Baltes erfreut. Da er vor seiner Lebenskrise als Programmierer bei der Stadt Saarbrücken gearbeitet habe, sei der Umgang mit dem PC kein Problem für ihn, sagte Bill. Was ihm jetzt noch fehlt, sei einzig ein Internetanschluss. Den will Klemm aber noch über einen UMTS-Anschluss mit Prepaidkarte einrichten, da direkte Anschlüsse in dem Hochhaus schwierig sind. "Das kriegen wir aber hin, ich hab das an anderer Stelle auch schon eingerichtet", sagte Klemm und versprach, Bill bei Problemen mit dem PC auch weiterhin zu helfen: "Wenn irgendetwas streikt, dann komm ich wieder vorbei", sagte Klemm, dem das Herumtüfteln an PCs Spaß macht.

Anfang der Woche konnte Bill seinen "so gut wie neuen Rechner" in Betrieb nehmen. Mit dem will er nun wieder programmieren und seinem Hobby nachgehen: dem Erstellen von Statistiken. Bislang notierte Bill Daten, die er mit einer kleinen Wetterstation sammelt, noch auf dem Papier. Jetzt kann er eine Datenbank programmieren, die Daten dort speichern und auswerten.

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