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Bieder erzählte Episode der Frauen-Selbstfindungsliteratur

Bieder erzählte Episode der Frauen-Selbstfindungsliteratur

Die Unbestimmtheit ist's, die das Schaffen von Elisabeth Weissensteiner als Autorin sowie als Multimediakünstlerin verbindet. Denn davon sei die Realität bestimmt, welcher sie sich anzunähern versuche, erklärt die derzeit mit ihrer Installation „Mirror Brain“ im „Studioblau“ des Saarländischen Künstlerhauses gastierende Künstlerin.

Auch im Schreiben, wie sie anlässlich ihrer Lesung ebenfalls im Künstlerhaus bemerkte. Auch darin müsse der Besucher bzw. Leser die Zusammenhänge selbst herstellen. Der Künstler hingegen ordne nur die Dinge an.

Doch das ist nur eine billige Entschuldigung dafür, von vorneherein nichts zu wollen, schlichtweg zu kapitulieren und sich stattdessen auf Allgemeinplätzen zu tummeln, in denen jeder vermeintlich etwas für sich entdeckt. So gesehen war es folgerichtig, in ihrem Prosaband "Die Fröschin" jede Menge Schauerromantik- und Weiblichkeitsklischees für eine Geschichte aufzufahren, in der sich Orte und Zeiten spiegeln: Wien und Melbourne, wo die Wienerin seit mehr als zehn Jahren lebt, die Sage vom Baumeister des Wiener Doms, dessen Braut und dem grünen Teufel, die Wahrnehmung durch Nase und Auge, Mittelalter und Gegenwart, die Tochter zwischen Vater und Mutter, eingefasst im uralten Motiv des Spiegels. Ironie sollte auch drinstecken, betonte die Autorin. Nur: Wollen und Können sind zweierlei. Letztlich wurde hier nur der Frauen-Selbstfindungskitschliteratur eine weitere bieder erzählte Episode hinzugefügt. Daran orientiert waren auch ihre vom Tango beflügelten Gedichte aus dem Band "Das Weizentier": wortreich dekorierte Allgemeinplätze, wie der "Tango des Teilens" als Umschreibung des Sprichworts vom geteilten Leid. Nur wird von einem Publikum geteilte Langeweile nicht besser. Sie wiegt doppelt schwer.