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Bestattungskultur in Saarbrücken: Immer mehr Urnenbestattungen

Saarbrücken. „Den Friedhof“ von früher gibt es nicht mehr. Kultureller Wandel und neue Ansprüche der Menschen verlangen seinen Planern ein Gespür für Trends und betriebswirtschaftliches Denken ab. In Saarbrücken soll ein Entwicklungsplan für die die 22 Friedhöfe aufgestellt werden. Peter Wagner

Auch in Saarbrücken hat sich der Trend zur Urnenbestattung verfestigt. Wie das Amt für Stadtgrün und Friedhöfe in dieser Woche bekannt gab, fanden auf den insgesamt 22 Friedhöfen der Stadt im Jahr 2014 exakt 1718 Beerdigungen statt, davon waren 1117, also etwa 65 Prozent, Urnenbeisetzungen, und 601 (35 Prozent) Körperbestattungen. Wie Amtsleiterin Carmen Dams und Friedhofsplanerin Swantje Boltz dem Friedhofsausschuss des Stadtrates schilderten, biete Saarbrücken mit 35 möglichen Grabarten eine Vielfalt, die sich bundesweit sehen lassen könne. Dies sei ein Vorteil, wenn man die Friedhöfe kundenorientiert, nachhaltig und dabei auch betriebswirtschaftlich sinnvoll betreiben wolle.

Die Verantwortlichen schilderten, dass die Bestattungskultur einem schnellen Wandel unterliege. Seit die Krankenkassen 2005 Beteiligungen an Beerdigungskosten gestrichen hätten, schauten die Hinterbliebenen noch stärker aufs Geld. Um den individuellen Ansprüchen der Bürger zu entsprechen und gleichzeitig die Anzahl der anonymen Bestattungen zu verringern, sei das Angebot an "alternativen Urnenbestattungsgrabarten" stark ausgebaut worden. Der moderne, wenig ortsgebundene Mensch verlange nach Gräbern, die ihm keinen Pflegeaufwand abverlangten. Auf der anderen Seite beobachten die Experten einen Trend zu aufwendigen, individuellen Ruhestätten. Wie Boltz erklärte, gebe es eine Entwicklung zu "Wahlfamilien": Menschen ließen sich in Feldern mit Gleichgesinnten bestatten, etwa Fans eines Sportvereins. Auch die Zuwanderung von Menschen aus aller Welt hat Auswirkungen auf die Friedhöfe. So wurde für Muslime in Saarbrücken (Hauptfriedhof) ein Reihengrabfeld angelegt, dessen Gräber nach Mekka ausgerichtet sind. Auch befindet sich auf dem Hauptfriedhof ein Grabfeld für Verstorbene des moslemischen Derwisch-Ordens der Bektaschi aus dem Kosovo.

Ein wichtiges Thema für die Planer ist der Umgang mit den sogenannten Friedhofsüberhangflächen. Wenn die Nutzungsdauern von Gräbern ablaufen, entstehen Freiflächen, die die Eigenschaft haben, nicht zusammen zu liegen und unterschiedlich groß zu sein. Je nach Gräberquartier und Struktur des Friedhofs entsteht nicht nur ein unharmonisches Bild, auch der Unterhalt wird aufwendiger. Solche Puzzle-Plätze möglichst zu vermeiden, ist das Ziel. Dezernent Harald Schindel (Linke) überlegte laut, ob man an Friedhöfen nicht auch Spielplätze anlegen sollte. In Nordrhein-Westfalen sei derlei üblich.

Wie Carmen Dams ankündigte, wolle man für Saarbrücken eine Analyse der Flächenentwicklung in Auftrag geben, mit Einbeziehung von Bevölkerungsprognosen, Sterberaten und Ansprüchen an den Bestattungsort. Dabei lasse sich schon jetzt feststellen, dass jeder der 22 Friedhöfe für sich zu betrachten sei.

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