„Besser als im Fernsehen“

Obwohl die meisten von ihnen am 22. September noch gar nicht wählen dürfen, ist ihr Interesse an Politik schon groß: 140 Schüler des Gymnasiums Johanneum diskutierten gestern mit Politikern verschiedener Couleur, die im Rahmen der Aktion „Wahl-O-Mat on tour“ gekommen waren.

Die Bänke der kleinen Turnhalle des Gymnasiums Johanneum reichen nicht aus, viele der 140 Schüler der Klassenstufen zehn bis zwölf sitzen auf dem Boden und lauschen gespannt den sechs Herren, die vorne stehen und am 22. September in den Deutschen Bundestag gewählt werden wollen. Gekommen sind sie im Rahmen der Aktion "Wahl-O-Mat on tour", einem gemeinsamen Projekt der Landeszentrale für politische Bildung, der Arbeitskammer und des Landesjugendrings, das in dieser Form seit 2005 vor Wahlen im Saarland durchgeführt wird und einmalig in Deutschland ist. Seit Mittwoch und noch bis zum Freitag vor den Wahlen stellen sich Kandidaten der Parteien in insgesamt 25 Veranstaltungen in saarländischen Schulen und Jugendeinrichtungen den Fragen der jungen Menschen.

Nach Homburg waren gestern Markus Uhl (CDU), David Lindemann (SPD), Markus Tressel (Die Grünen), Thomas Lutze (Die Linke) und Jan Niklas Fingerle (Die Piraten) gekommen. "Das wird viel besser als beim TV-Duell. Hier gibt es präzise Antworten, das kann ich euch versprechen", erklärte Burkhard Jellonnek von der Landeszentrale für politische Bildung den Schülern, bevor die Politiker in der ersten Runde sich zu Fragen des internetbasierten Wahl-O-Mats positionieren mussten. Und er sollte recht behalten. Schon nach wenigen Minuten wurden die Themen kontrovers diskutiert und die verschiedenen Positionen deutlich. In der zweiten Runde konnten dann die Schüler, die sich zum Teil bereits im Unterricht auf die Veranstaltung vorbereitet hatten, die Fragen stellen und sich in die Diskussion einmischen. Vor allem die Themen "flächendeckender Mindestlohn", "EU-Beitritt der Türkei" und "Doppelte Staatsbürgerschaft" wurden heiß diskutiert. Dabei zeigte sich, dass die Schüler vor allem Wert auf Sachargumente legen: Als Markus Uhl sich mit dem Argument "Ich kann auch nicht gleichzeitig Bayern- und BVB-Fan sein" gegen die Doppelte Staatsbürgerschaft aussprach, wurde er vom 15-Jährigen Jan-Robin Aumann unter Applaus seiner Mitschüler kritisiert.

Als nach anderthalb Stunden die Veranstaltung zu Ende war, waren die Schüler zufrieden. Kyra Lilier (15) freute sich, obwohl sie noch nicht wählen darf, dass ihr die Veranstaltung geholfen hat, sich politisch einzuordnen, Eva Wagenpfeil (15) war überrascht, dass bei ihr eine andere Partei vorne lag, als beim Wahl-O-Mat im Internet und Andreas Ecker (15) fand es so spannend, dass er sich noch mehr Zeit für Fragen gewünscht hätte.

Morgen macht der "Wahl-O-Mat on tour" im Von-der-Leyen-Gymnasium in Blieskastel Halt.