Besessen von der schönen Alma

Saarbrücken. Im Hintergrund der Bühne: zwei Frauen beim gemeinsamen, trauten Musizieren. Die eine, im schlichten Schwarz, singt elegisch "Ich bin der Welt abhanden gekommen". Die andere, im voluminösen weißen Taftkleid wie eine Braut, spielt dazu am Klavier. Im Vordergrund ein Mann, der sich in verkrampften Bewegungen windet

Saarbrücken. Im Hintergrund der Bühne: zwei Frauen beim gemeinsamen, trauten Musizieren. Die eine, im schlichten Schwarz, singt elegisch "Ich bin der Welt abhanden gekommen". Die andere, im voluminösen weißen Taftkleid wie eine Braut, spielt dazu am Klavier. Im Vordergrund ein Mann, der sich in verkrampften Bewegungen windet. Plötzlich hält er es nicht mehr aus und stürzt zwischen die Frauen.Wie ein Doppelgänger von Nosferatu versucht er mit beschwörenden Gesten die Frau in Weiß zu bezwingen, die auf der Stelle zusammenbricht, aufsteht und wieder fällt, drei-, viermal hintereinander. "Oskar Kokoschka stand häufig auf der Straße vor dem Haus und raste vor Eifersucht, wenn Alma Mahler-Werfel drinnen mit ihrer Freundin Lili Lieser Musik machte", erzählt Eva Lajko von der Saarbrücker Musik-Tanztheatergruppe Mutanth.

Denn der expressionistische Maler war wie besessen von der schönen Alma, die als Muse und Gefährtin zahlloser berühmter Künstler der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in die Geschichte einging. Von 1912 bis 1914 führten Oskar und Alma in Wien eine exzessive Beziehung. Die bringt das Mutanth-Trio (Eva Lajko, Gabriele Bernstein und Miguel Bejarano) nun auf die Bühne. "Erzählt im Rückblick aus der Sicht von Oskar, wie in einem Fiebertraum", erklärt der aus Kolumbien stammende Bejarano, der den Part des Titelhelden in "O.K." übernimmt. Fieberträume hatte Kokoschka wohl tatsächlich, als sich der Kriegsfreiwillige 1916 zur Behandlung einer Kopfschussverletzung in ein Naturheilsanatorium begab. "Die Traumstruktur gibt uns außerdem viel Freiheit, szenisch mit Bildern zu spielen", sagt Bejarano. Für "O.K." hat die Mutanth-Truppe nicht nur die Liebesbriefe und die jeweiligen Autobiografien der Mahler-Werfel und Kokoschkas durchgearbeitet, auch dessen Theaterstücke und Bilder beziehen die Drei in das Stück mit ein. 450 Zeichnungen und Gemälde des Künstlers drehen sich um seine Geliebte.

Schon lange habe es sie gereizt, ein Stück zu kreieren, das in der Zeit des Expressionismus spielt, erzählt Alma-Darstellerin Lajko. "Was für einen Aufbruch es damals gab in den Künsten, in der Malerei, der Musik, dem Kino!" Das alles sollte in "O.K." mit einfließen. Wodurch sich die Produktion als aufwendiger erwies als gedacht. Um einige Monate verzögert ist jetzt Premiere.

Freitag, 9. März, 20 Uhr, TiV am Landwehrplatz

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