„Beispielloser Verlust an politischer Kultur“

Über 400 Gäste kamen am Sonntag zum Neujahrsempfang der Saarbrücker CDU ins Varieté-Zelt am Saarbrücker Osthafen. Am schönsten denkbaren Ort für solch eine Veranstaltung, wie Gastredner Peter Tauber lobte, schauderte es den Gastgeber vor einem „Verlust an Kultur“.

Saarbrücken habe im vergangenen Jahr "einen beispiellosen Verlust an politischer Kultur" erlitten, so das Fazit des CDU-Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat, Peter Strobel . Beim Neujahrsempfang seiner Partei am Sonntagmorgen beklagte der Landtagsabgeordnete, dass selbst die besten Vorschläge und Anträge der Opposition gegen die "Macht-Trunkenheit" der rot-rot-grünen Mehrheit keine Erfolgsaussichten hätten.

Interessen der Parteien stünden höher als die der Bürger, wie die Nicht-Wiederwahl der Baudezernentin Rena Wandel-Hoefer zeige. Gefragt sei in Saarbrücken nicht mehr Fachwissen, sondern Willfährigkeit. Dass der Mehrheit im Stadtrat keiner der zahlreichen Bewerber für die neu ausgeschriebene Leitung des Dezernates gut genug sei, bezeichnet Strobel als "Schmierentheater", unter dem das Ansehen der Stadt leide.

Unter dem Beifall der über 400 Gäste im Varieté-Zelt von Alexander Kunz verabschiedete Strobel die scheidende Baudezernentin mit Blumen . In seiner 20-minütigen Ansprache stellte der Fraktionsvorsitzende ein künftiges Thema als besonders wichtig heraus: Der Platzbedarf für die Hochschule für Technik und Wirtschaft, die in Alt-Saarbrücken einen Campus und zusammenhängende Flächen benötige.

Ehrengast war in diesem Jahr der seit zwei Jahren amtierende CDU-Generalsekretär Peter Tauber. Der 41-jährige Bundestagsabgeordnete aus Hessen, der als "schwarzer Peter" ein Tagebuch im Internet betreibt und kürzlich seinen ersten Marathonlauf absolviert hatte, vermied weitgehend Konfliktthemen wie die von Finanzminister Wolfgang Schäuble ins Spiel gebrachte "Benzinabgabe" zur Finanzierung der Flüchtlingspolitik.

In Erinnerung an Ulrich von Hutten, einen Humanisten des 15. Jahrhunderts, hielt Tauber vielmehr ein Plädoyer für Mut, Selbstbewusstsein und Tatkraft auch in schwierigen Zeiten: "Deutschland ist da, wo starke Herzen sind."