Beim Ringen um Schönheit gewinnen alle

Auch öffentliche Verwaltungsgebäude dürfen schön und außergewöhnlich im Detail geraten. Dann ist für jeden zu sehen, wie Architektur auch sein kann. Jetzt hat die Stadt Saarbrücken für ihr Haus in der Gerberstraße 29 den Bauherrenpreis gewonnen.

Kann man "Baukultur" lernen? Ja, hat kürzlich Jos Dell versichert, der Präsident der Architektenkammer Luxemburgs und Vorsitzende der Jury, die den saarländischen Bauherrenpreis verlieh. Dass die alle vier Jahre zu vergebende Auszeichnung auch einem umgebauten Verwaltungsblock der Landeshauptstadt zuteil wurde, findet Dell besonders erfreulich. Denn in dem prämierten Haus in der Gerberstraße 29 wird künftig verstärkt Bauberatung stattfinden und auch regelmäßig der Gestaltungsbeirat tagen. Dort kommen also täglich viele Menschen zusammen und können direkt erfahren, was einen guten Bau ausmacht - Architektur also nicht als geschlossene Veranstaltung von Architekten für Insider, sondern für möglichst alle, die sich dafür interessieren.

Das Gebäude in der Gerberstraße war in den 1950ern gebaut worden. Als nun eine Sanierung fällig wurde, bestellte sich der Bauherr, das Gebäudemanagement der Landeshauptstadt, nicht nur die üblichen "modernen" Räume und Fassaden. Die Architekten Bayer & Strobel aus Kaiserslautern durften das Haus zu einem Blickfang der Straße mit vielen bemerkenswerten Details umbauen. Die Jury lobt an erster Stelle die Attraktivität fürs bestehende Stadtbild. Und weiter: "Offenheit und Transparenz wurden verstärkt und zeitgemäß neu interpretiert - insbesondere im Erdgeschoss, wo sich die öffentlichen Bereiche zur Gerberstraße präsentieren. Es ist eine erfolgreiche, effiziente Sanierung gelungen, bei der die Bestandsstruktur erhalten, aber räumlich sinnvoll umgenutzt wurde."

Rena Wandel-Hoefer, Saarbrückens Baudezernentin, ist mit der Arbeit der Architekten sehr zufrieden und sieht den Preis als "Beleg dafür, dass wir in der Weiterentwicklung der Baukultur in unserer Stadt auf dem richtigen Weg sind. Unsere klaren Zielvorgaben, die wir als Bauherren formulieren, ganzheitliche Planung jenseits von modischen Strömungen, ästhetische Klarheit und umfassend verstandene, sparsame Nachhaltigkeit sind umgesetzt worden". Auf dem Weg zum Ergebnis verstehe sich die Verwaltung "letztlich als Verbündete der Architekten, die mit uns gemeinsam um die Schönheit der Stadt ringen", so Wandel-Hoefer.

Die Stadt Völklingen erhielt ebenfalls den Bauherrenpreis, und zwar für ihre Kindertagesstätte am Leh (Bericht folgt).