Beim Neujahrsempfang haben Bürger das Wort "Erst die Heimat kennenlernen.""Saarbrücken strahlt große Wärme aus." "Was können wir für die Stadt tun?"

Beim Neujahrsempfang haben Bürger das Wort "Erst die Heimat kennenlernen.""Saarbrücken strahlt große Wärme aus." "Was können wir für die Stadt tun?"

Saarbrücken. Es ist nur ein kleiner Schritt in der Geschichte der Demokratie - aber ein großer für Saarbrücken: Heute Abend werden beim Presse- und Neujahrsempfang der Stadt nämlich erstmals leibhaftige Bürger nicht nur applaudieren, sondern auch die Stimme erheben und das sogar am Rednerpult

Saarbrücken. Es ist nur ein kleiner Schritt in der Geschichte der Demokratie - aber ein großer für Saarbrücken: Heute Abend werden beim Presse- und Neujahrsempfang der Stadt nämlich erstmals leibhaftige Bürger nicht nur applaudieren, sondern auch die Stimme erheben und das sogar am Rednerpult. Bislang war das einzig Oberbürgermeisterin Charlotte Britz und der Vorsitzenden des Saarländischen Journalistenverbandes (SJV), Ulli Wagner, vorbehalten. Die sprechen heute natürlich auch, aber eben nicht allein. Denn diesmal dürfen auch sechs Bürger in die Bütt.

Drei sind Prominente, die anderen drei - und das ist die eigentliche Sensation - sind Otto-Normal-Bürger. Je zwei Redner, immer ein Promi und ein Normalo, sprechen über eines der folgenden Themen: "Leben in Saarbrücken", "Studieren in Saarbrücken" und "Arbeiten in Saarbrücken". Die Promis sind die Generalintendantin des Staatstheaters, Dagmar Schlingmann, Universitätspräsident Volker Linneweber und ZF-Geschäftsführer Hermann Becker. Die Normalos sind Lieselotte Hartmann, Frank Becker und Walter Brandel, die wir hier vorstellen. Sie hatten sich - nach einem Aufruf der Stadt - um diese Ehre beworben. Stadtverwaltung und Gemeinwesenprojekte wählten die drei Bürger-Redner aus. Heute Abend erwarten Stadt und SJV rund 1800 Gäste - Offizielle und andere Bürger, natürlich! Saarbrücken. "Das Thema meiner Rede ist ,Studieren in Saarbrücken'. Allerdings hat sie auch einen kleinen Aspekt zu ,Leben in Saarbrücken'", verrät Walter Brandel. Der 63-jährige Betriebswirt lebt bereits seit seiner Geburt in Saarbrücken und das gerne. "Zwischenzeitlich musste ich beruflich einige Zeit nach Bayern, aber außer dieser Unterbrechung lebe ich schon immer hier." In seiner Rede will er ein Gespräch, das er vor Weihnachten in der Saarbahn mitbekam, aufgreifen. "In der Saarbahn saßen zwei Studenten mit ihren Eltern, die nicht aus dem Saarland stammen", berichtet Brandel. Sie seien auf dem Weg zum Saargemünder Weihnachtsmarkt gewesen, hätten die schöne Landschaft an der Saar bewundert und sich gefreut, dass man ohne Umwege mit einer Bahn von Saarbrücken nach Frankreich fahren kann. Heute arbeitet Brandel in einer Werbeagentur. Nebenher steht er leidenschaftlich gerne auf der Bühne. Momentan im Stück "Max und Moritz". Brandel meint: "Die wenigsten wissen, dass es in unserem Gebiet so wunderbare Städte gibt. Man sollte zuerst mal seine Heimat kennenlernen, bevor man ins Ausland reist." bub Saarbrücken. Frank Becker macht sich heute Abend unter anderem Gedanken über die Außenwirkung des Wirtschaftsstandortes Saarbrücken und darüber, was die Firmen für qualifizierten Nachwuchs tun können. Schmunzelnd sagt der 51-Jährige: "Ich halte meine Rede unter dem Stichwort 'Hemm kumm'." Er will die Geschichte seiner Rückkehr ins Saarland erzählen. "Ich bin in Saarbrücken geboren, musste allerdings 1992 aus beruflichen Gründen wegziehen." Becker hat in München, Wiesbaden, Frankfurt und Mainz in verschiedenen Werbeagenturen gearbeitet: "Vor knappen drei Jahren hat mich aber die saarländische Krankheit gepackt. Ich hatte starkes Heimweh." Er kam zurück und fühlte sich auf Anhieb wohl. Mittlerweile arbeitet er als freiberuflicher Texter für verschiedene saarländische Firmen. Becker resümiert: "Es war echt toll wiederzukommen. Ich fühlte mich direkt noch mal heimisch und sehr wohl. Saarbrücken strahlt eine große Wärme aus und braucht sich nicht hinter anderen Städten zu verstecken." Auf seine Rede freut er sich sehr: "Die Aufregung wird kurz vorher kommen, aber das gehört einfach dazu." bub Saarbrücken. "Man soll sich nicht fragen, was die Stadt für uns tun kann, sondern was wir für die Stadt tun können - denn wir sind die Stadt", sagt Lieselotte Hartmann aus dem Nauwieser Viertel. Die 64-jährige Apothekerin und Trainerin für Kommunikation und pharmazeutisches Fachwissen spricht heute Abend über das Thema "Leben in Saarbrücken". Dabei will sie erstens Saarbrückens Schokoladenseiten beleuchten - beispielsweise die Nähe zu Frankreich und die kurzen Wege in der Stadt. Zweitens will Hartmann aber auch Verbesserungsvorschläge machen: "Gerade ältere Menschen, die auf einen Rollator angewiesen sind, haben Probleme in der Stadt. Sie kommen in viele Busse nicht rein, da sie keine Kraft haben, die Gehhilfe hochzuheben. Außerdem ist der Trend zu Kopfsteinpflastern nicht altersgerecht." Die "Initiative Nauwieser Viertel" ist eine von vielen Organisationen, für die sich Hartmann einsetzt. Dort geht's um Themen wie Integration, Kommunikation und den Mangel an Wertschätzung für einander im täglichen Umgang. Hartmann meint: "Diese Probleme betreffen natürlich nicht nur unser Viertel, sondern ganz Saarbrücken." bub