Beim Carsharing ziemlich abgehängt

Ein Auto nicht besitzen, sondern es nur bei Bedarf gegen Nutzungsentgelt anfordern – diese Idee des Carsharing hilft, Städte von Verkehr zu entlasten. In Saarbrücken hat sie sich noch nicht durchgesetzt.

. Saarbrücken hängt beim so genannten Carsharing , also beim Teilen von Autos gegen Gebühr anstelle des Privatbesitzes, meilenweit hinter seinen Möglichkeiten und hinter vergleichbaren Städten zurück. Roland Jahn , in Saarbrücken Geschäftsführer des Carsharing-Anbieters Cambio, nannte Zahlen: So habe sein Unternehmen derzeit 870 Kunden in der Landeshauptstadt. Die Nutzer könnten an sieben Stationen 19 Autos übernehmen oder zurückgeben. Eigentlich, so Jahn, müssten die Zahlen drei Mal so hoch sein. In Saarbrücken brauche man als Anbieter einen besonders langen Atem, das Geschäftsmodell habe hier noch deutliches Potenzial. Ein Vergleich: In Aachen liefen bereits allein 15 Cambio-Fahrzeuge mit Elektroantrieb. Viele Kunden legten inzwischen Wert darauf, ausschließlich mit diesen leisen Autos unterwegs zu sein.

Da Car-Sharing-Kunden selten weiter als 50 bis 60 Kilometer am Stück führen, seien E-Autos ideal fürs Teilen, sagte Jahn. Er erinnerte daran, dass seine Firma, die bundesweit tätig ist, vor 16 Jahren auf Initiative des saarländischen Umweltministeriums auf den hiesigen Markt gekommen sei. In der Landeshauptstadt habe Cambio keinen nennenswerten kommerziellen Wettbewerber.

Vor wenigen Tagen wurde am Parkhaus der städtischen Gesellschaft GIU am Nordportal des Eurobahnhofs die erste Saarbrücker Cambio-Station mit einem Elektroauto (einem Smart) in Betrieb genommen. Neben der GIU ist auch der Versorger Energie Saar-Lor-Lux, der auf dem Dach eine Photovoltaikanlage betreibt, Kooperationspartner von Cambio. Jahn wünschte sich, dass bald weitere E-Ladestationen für Autos im Stadtkern hinzukämen (etwa am Landwehrplatz), um die Nachfrage zu erhöhen. Die Carsharing-Kunden bezahlten für das E-Auto denselben Preis wie für herkömmliche Fahrzeuge.

Die Saarbrücker Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD ) vermutete, dass sich die überdurchschnittlich autobegeisterten Saarländer schwerer als andere Menschen an das Teilen von Fahrzeugen gewöhnten. Saarbrücken wolle "nicht die Autos aus der Stadt haben", in Anbetracht von 70 000 Berufspendlern sei es aber erstrebenswert, den Anteil von Carsharing zu erhöhen, stellte sie klar.

Jochen Starke, Vorstandsvorsitzender des Versorgers Energie Saar-Lor-Lux, sagte, dass ein Car-Sharing-Wagen 20 Besitzerautos ersetze. GIU-Chef Jürgen Schäfer dankte dem Unternehmen Cambio für sein Engagement und seine Geduld in Saarbrücken . Die E-Ladestation am Parkhaus sei "eine Bereicherung des Standortes".

Wie Cambio mitteilte, wohnen 86 Prozent der hiesigen Kunden in der Stadt Saarbrücken , sieben Prozent in der direkten Umgebung (Postleitzahlen 66…) und sieben Prozent im gesamten Bundesgebiet.

13 Prozent der Kunden seien unter 30 Jahre alt, zehn Prozent seien über 60 Jahre alt, der große Rest sei zwischen 30 und 60 Jahre alt. Studien über den Carsharingmarkt in der Republik besagen, dass die meisten Nutzer Männer unter 40 mit überdurchschnittlicher Bildung seien. Der Frauenanteil steige aber stark.