Beim Barte des Saarbrückers

Holger Bousonville fotografiert nicht nur Bärte, er gibt ihren Trägern auf seiner Internetseite auch Tipps. Wenn es Kritik am Bart gibt, sei die beste Reaktion: „Einfach ignorieren. Euer Bart, euer Leben, euer Stil.“

In den kommenden Monaten will Holger Bousonville möglichst viele Bartträger fotografieren. Der Anfang ist gemacht. Fotos: Holger Bousonville.
In den kommenden Monaten will Holger Bousonville möglichst viele Bartträger fotografieren. Der Anfang ist gemacht. Fotos: Holger Bousonville.

Für die, die warten müssen, gibt es Bier aus der Flasche. Aber erst, nachdem der Model-Vertrag unterschrieben ist. Die 14 Models, die in die Agentur 310 gekommen sind, sind keine Profis, und hätten in einer der Fernseh-Modelshows null Chancen. An diesem Abend im vierten Stock eines Gebäudes an der Kreuzung Eisenbahn-/Stengelstraße in Sichtweite der Ludwigskirche geht es auch nicht um ein gewinnendes Lächeln, lange Beine und eine Traumfigur.

Es geht um Bärte. Um Saarbrücker Bärte, um die "Beards of Saarbrooklyn". So hat der Fotograf Holger Bousonville sein Projekt genannt. Innerhalb eines Jahres will er möglichst viele Bärtige vor die Kamera bekommen. Am Ende könnte es eine Ausstellung geben. Oder auch nicht. Das hängt davon ab, ob sich Sponsoren finden.

Das Ende des Projekts ist auch im Moment noch nicht wichtig, sagt Holger Bousonville. Jetzt geht es darum, über Bärte zu reden. Den Bart als Kulturgut. Dazu hat Bousonville eine Internetseite eingerichtet. "Es geht um Bartkultur, um verschiedene Stile, um echte Bartträger und nicht um Leute, die sich mal eben einen Bart stehen lassen", erklärt er.

Tipps für haarige Zeiten

Holger Bousonville weiß aus eigener Erfahrung: "Wenn man sich entschlossen hat, einen Bart zu tragen, kommen bereits nach kurzer Zeit die ersten Fragen auf: Welche Art und Stil trage ich, was steht mir, was muss ich beachten, wieso juckt das so?" Sein Projekt, hofft er, vermittelt praktische Tipps und macht so Mut zum Bart.

Für alle, die haarigen Zeiten entgegengehen wollen, hat er eine "erste Regel: Du musst es wollen und dazu stehen". Bousonville weiß: "Es werden jede Menge Leute kommen, Partner, Eltern, Freunde, Arbeitgeber und so weiter, die sticheln, blöde Bemerkungen machen und versuchen werden, es Dir auszureden." Sein Rat: "Einfach ignorieren. Euer Bart, euer Leben, euer Stil."

Angst vor zu vielen Haaren?

Es gibt Leute mit Pogonophobie, auch das verschweigt Bousonville der Bart-Gemeinde nicht. "Die Pogonophobie gehört zu den spezifischen Phobien und bezeichnet die krankhaft überzogene Furcht vor Bärten. Bei dieser Angststörung meidet der Pogonophobiker, Menschen mit Bärten zu nahe zu kommen, oder gar einen Bart anzufassen, oder sich wachsen zu lassen. Menschen mit Bärten machen diesem Phobiker übermäßig Angst mit großer Wahrscheinlichkeit deswegen, weil es traumatische Erlebnisse in der Kindheit gab", erklärt er.

Aber der Fotograf ist sich sicher: "Diejenigen, die Bärte schön finden, sind in der Mehrheit." Deshalb seien Männer mit Bärten auch gute Fotomodelle. In diesem Fall allerdings Models ohne Gage. Der Deal: Die Bartträger bekommen kostenlose Fotos, dafür darf Holger Bousonville die Bilder für sein Projekt verwenden.

In der Agentur 310 geht der Abend mit einer Fachsimpelei zu Ende. Während der letzte Bartträger vor die Kamera tritt, diskutieren andere darüber, wie man seinen Bart am besten in Form bringt. "Haarschaum", rät jemand. "Um Himmels Willen, nein", widerspricht ein anderer und verrät, dass Olivenöl hilft. Dann ist das Shooting zu Ende - und Holger Bousonville kommt auch endlich dazu, sich ein Bier zu nehmen.

Das nächste Fotoshooting für "Beards of Saarbrooklyn" ist am Samstag, 23. November, 15 bis 19 Uhr, bei "Adriano - fashion united", Zur Fabrik 14, in Kleinblittersdorf.

facebook.com/

BeardsofSaarbrooklyn