Bei Flutlicht im Regen stehen

Ein Torwart steht vor seinem Tor im Ludwigspark - im Flutlicht und im Regen , wie die Fans im Hintergrund. Fußballexperten sagen, dass es Dieter Haßdenteufel sein muss. Das Foto hat Ferdi Hartung gemacht, vermutlich 1963. Fans des 1. FCS haben aus dem Bild ein Plakat gemacht.

"Weltkulturerbe Ludwigsparkstadion" haben sie dazu geschrieben.

Wäre das Stadion Weltkulturerbe, dann würde dort an diesem Samstag nicht das letzte Spiel ausgetragen. Dann dürfte nicht abgerissen, nicht verändert, nicht neu gebaut werden.

Es gibt Fans , die nicht einverstanden sind damit, dass die Tage dieses Stadions gezählt sind. Fans , denen das Herz blutet.

Während die Funktionäre und die Politiker vom neuen Stadion schwärmen, beschleicht andere die Angst, dass es dem Sport gehen könnte wie der Kultur. Dass wie beim Museumspavillon dann doch alles teuerer wird und am Ende jahrelang über eine Baustelle gestritten wird.

"Die da oben", wischen andere die Sorgen weg, können nach dem Museum und der Berliner Promenade, die ja auch alles andere als ein Beispiel für eine perfekte Bauleistung ist, nicht auch noch das Stadion versemmeln. Oder können die das doch? Dass sich in dieser Stadt die Sanierung des Rad- und Fußwegs unter der Johannisbrücke - also eine verhältnismäßig überschaubare Baustelle des Landes - über gut eineinhalb Jahre hinzieht, macht nicht unbedingt Mut. Dass man wie Ferdi Hartung starke Fotos von Menschen, die im Regen stehen, machen kann, auch nicht.