Begnadetes Sprachtalent aus Saarbrücken

Sie ist 18, beherrscht mehrere Sprachen, hat gerade Abi gemacht und beginnt ein Studium der nordischen Sprachen und dänischen Mythologie an der Sorbonne: Liv Haettich will Dolmetscherin werden.

Bereits ein Anruf bei Liv Haettich in Saarbrücken ist spektakulär und definitiv anders. Aufrund des Umzugsstresses von Saarbrücken nach Paris ist die 18-Jährige telefonisch in Saarbrücken nicht mehr zu erreichen. Auf den Anrufbeantworter hat sie eine freundliche Begrüßung gesprochen, die Umzugssituation geschildert und sich dann ebenso freundlich verabschiedet. Es folgte die gleiche Ansage in feinstem Französisch und anschließend in feinstem Englisch.

An der Pariser Sorbonne-Universität studiert die 18-Jährige seit diesem Oktober nordische Sprachen mit dem Schwerpunkt auf dänischer Mythologie .

"Spanisch kann ich auch. Das musste ich bei dem Wettbewerb auch fließend sprechen und schreiben", sagt die Saarbrückerin. Bei dem Wettbewerb handelte es sich um den bundesweiten Wettbewerb der Fremdsprachen des Talentförderzentrums Bildung & Begabung, einer Tochter des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft. Förderer sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Kultusministerkonferenz. 900 Schüler aus ganz Deutschland haben an dem Wettbewerb teilgenommen, der im Oktober 2014 begann und vor wenigen Wochen endete. 47 Schüler kamen ins Finale, fünf haben gewonnen und standen ganz oben auf dem Treppchen. Eine davon war Liv Haettich aus Saarbrücken. "Das war schon schwer. Es gab eine Vor- und eine Endrunde. Wir mussten vor einer Jury sprechen, Texte übersetzen, Vorträge halten und Gruppengespräche führen. Und das alles in Französisch, Englisch und Spanisch", erklärt die 18-Jährige, die in diesem Frühjahr ihr Abitur auf dem Deutsch-Französischen-Gymnasium in Saarbrücken gemacht hat.

Ein begnadetes Sprachtalent, das Englischlernen so beschreibt. "Ich konnte Deutsch und Französisch, und Englisch musste ich mir dann ja nur noch ableiten." Als Preis für den Gewinn der Deutschen Meisterschaft im Fremdsprachensprechen gab es unter anderem ein Stipendium an der Sorbonne in Paris.

"Die skandinavischen Sprachen interessieren mich, deshalb möchte ich sie erlernen. Ich möchte in jedem Fall Dolmetscherin werden", sagt Liv Haettich, die ihr Talent von ihren französischen Eltern in die Wiege gelegt bekam.

"Wenn mein Vater eine ihm unbekannte Sprache hört, muss er sofort wissen, was es ist, und will sie lernen. Ganz so verrückt bin ich nicht", sagt die 18-Jährige und muss lachen. Bleibt noch die Frage nach dem saarländischen Platt. "Hallo? Ich bin aus Saarbrigge, nadierlich kann ich Platt."