BEG Hochwald sieht sich weiter im Aufwind

Es wird ein spannendes Jahr für die Bürger-Energie-Genosschenschaft (BEG) Hochwald: Zwei Jahre nach ihrer Gründung sieht die Genossenschaft in den kommenden Monaten der Vollendung einiger ihrer wichtigsten Projekte entgegen. Und einige neue Vorhaben befinden sich vor Abschluss der Planungsverfahren. Auf den Tag genau am 24. Januar vor zwei Jahren wurde die BEG gegründet.

Der Windpark Galgenberg auf der "Wahlener Platte" zwischen Losheim und Rissenthal soll im Mai 2014 ans Netz gehen. Noch im Januar laufen, sofern es das Wetter zulässt, die Bauarbeiten an dem Windpark an.

Pilotprojekt im SaarlandDies erklärte Henry Selzer, Vorstand der Bürger-Energie-Genossenschaft Hochwald, im Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung. Die Genossenschaft betreibt als Mehrheitsgesellschafter drei der fünf dort geplanten Windräder (eines steht bereits). Für die BEG hat die Vollendung dieses Projektes eine hohe Bedeutung, soll doch auf der Wahlener Platte der erste Bürger-Windpark auf genossenschaftlicher Grundlage im Saarland stehen. Runde zwei Millionen Euro hätten gut 200 Genossenschaftsmitglieder für dieses Projekt, in das insgesamt 9,4 Millionen Euro investiert werden, durch ihre Anlagen zur Verfügung gestellt. Die BEG habe sogar zwischen 70 und 80 Kinder als Mitglieder, "deren Anteile von den Eltern oder Großeltern als Sparbuch-Ersatz gekauft worden sind als Geldanlage für die Zukunft", so Selzer.

Energiewende stemmen Für Henry Selzer steht fest: Über solche Beteiligungsmodelle, bei denen die dort erzielte Wertschöpfung in der Region bleibt, "können die Bürger für die Energiewende mitgenommen werden". Dies habe sich beim Windpark Galgenberg bereits in der Planungsphase nachhaltig bestätigt: "Es gab hierzu keinen einzigen Widerspruch aus der Bürgerschaft", betont Selzer - kein Vergleich zu den Kontroversen, die Windkraft-Vorhaben an anderer Stelle ausgelöst haben.

Neben ihrem "eigenen" Windpark will sich die Genossenschaft auch an weiteren Vorhaben in unserer Region beteiligen, die entweder kurz vor der Realisierung stehen oder in Planung sind. So besitzt die BEG nach Selzers Worten einen Anteil von sieben Prozent an der Betreibergesellschaft des derzeit im Bau befindlichen Windparks in Perl. Dieser soll in Kürze ans Netz gehen.

Neue Mitglieder gewinnen Auch an den Anlagen, die auf dem Schimmelkopf in der Gemeinde Weiskirchen errichtet werden sollen, will sich die BEG beteiligen. Zwar läuft derzeit immer noch das Genehmigungsverfahren für dieses Projekt, aber Henry Selzer ist weiter optimistisch, dass die Windräder dort noch in diesem Jahr werden ans Netz gehen können.

Schon ab Februar will die Genossenschaft sich um die Gewinnung weiterer neuer Mitglieder bemühen, die sich dann an dem geplanten Windpark bei Merchingen beteiligen können. Dort sollen nach Selzers Worten drei Anlagen mit einer Leistung von jeweils 2,5 oder 3,0 Megawatt und einer Höhe von rund 200 Metern entstehen. Vorgesehen ist die Inbetriebnahme dieser Anlagen bis 30. September.

Projekt mit Zukunft Auch diesen Windpark möchte die BEG mit betreiben, gemäß einem Beschluss des Merziger Stadtrates könnte sie Anteile im Umfang zwischen 20 und 45 Prozent an der zwischenzeitlich gegründeten Betreibergesellschaft erwerben. "Wie hoch unser Anteil letztlich sein wird, hängt davon ab, wie viele Anleger wir einwerben können", erläutert Selzer. Die Genossenschaft investiere in jedes Vorhaben nur so viel Geld, wie sie im Vorfeld von Anlegern zur Verfügung gestellt bekomme.

Vor den anstehenden Einschnitten bei der Ökostromförderung durch die Große Koalition in Berlin, wie jetzt angekündigt, ist Selzer nicht bange: "Einfache Radikallösungen sind da nicht mehr durchzusetzen, dafür ist der Anteil der Erneuerbaren Energien an der Gesamt-Energieproduktion mit rund 25 Prozent schon zu groß." Die politischen Entscheidungsträger werden nach Selzers Überzeugung "nicht den gleichen Fehler wie der Fotovoltaik-Förderung machen und eine ganze Branche abwürgen".

Henry Selzer ist überzeugt: "Wir haben eine richtige Erfolgsgeschichte zu präsentieren." Und der Vorstandsvorsitzende der Bürger-Energie-Genossenschaft (BEG) Hochwald stellt Zahlen vor, die seine Aussage unterstreichen: So habe die BEG in den zwei Jahren seit ihrer Gründung am 24. Januar 2012 ihre Mitgliederzahl auf 450 gesteigert - von gerade mal 20, die es bei der Gründungsversammlung waren. Die Genossenschaft möchte diesem rasanten Wachstum ihrer Mitgliederzahl Rechnung tragen und ihre internen Strukturen anpassen, erläutert Selzer: "Wir wollen auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 14. Februar im Losheimer Saalbau den Mitgliedern vorschlagen, den Vorstand von zwei auf drei und den Aufsichtsrat von drei auf fünf Personen aufzustocken."

"Wir arbeiten ehrenamtlich"Damit könne die Arbeit, die in der Genossenschaft anfalle, auf mehr Schultern verteilt werden, erklärt Selzer - "denn wir arbeiten immer noch ehrenamtlich". Für ihn liegt die Stärke des genossenschaftlichen Modells der BEG in dessen "höchster Transparenz": "Bei schwierigen Fragen wurden und werden die Mitglieder stets eingebunden, wir haben absolut demokratische Entscheidungsprozesse." Und auch die solide Geschäftspolitik der Genossenschaft komme gut an, sagt Selzer: "Wir halten das Geld in der Region und legen es in sinnvolle Projekte an", sagt Selzer. Der Vorstandsvorsitzende hegt die Hoffnung, "dass wir etwa ab 2016/2017 erkleckliche Dividenden an unsere Anleger ausschütten können".

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Hintergrund Neben der Windkraft setzt die BEG weiter auf Sonnenenergie, wenn auch in deutlich kleinerem Umfang: "Wir wollen bis März noch zwei oder drei Fotovoltaikanlagen verwirklichen", sagt Genossenschaftsvorstand Henry Selzer. Bisher habe die BEG seit ihrer Gründung Solaranlagen auf dem Dach der neuen Kita in Losheim, auf den Kita-Gebäuden in Erbringen und Reimsbach sowie auf einem Gewerbebetrieb in Konfeld in Betrieb genommen. cbe

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