Befristete Lehrerstellen sollen Ausnahme bleiben

In einigen Bundesländern soll die Zahl der befristeten Lehrerstellen aufgestockt werden, um genügend Vertretungspersonal vorhalten zu können. Das Saarland will einen anderen Weg gehen. Dennoch haben auch hier mehrere hundert Lehrer noch immer nur befristete Verträge.

Die Landesregierung hat das Ziel ausgegeben, "möglichst alle Lehrkräfte unbefristet zu beschäftigen". Das teilte das Bildungsministerium jetzt auf SZ-Anfrage mit. Zwar haben im Saarland derzeit 299 Lehrer befristete Verträge. Dies sind 3,28 Prozent der insgesamt 9105 Lehrkräfte im Saarland. Doch mit der zumindest erklärten Absicht der Landesregierung zur Entfristung unterscheidet sie sich grundlegend von den Positionen anderer Landesregierungen wie etwa in Rheinland-Pfalz (Ampelkoalition) oder Baden-Württemberg (grün-schwarze Koalition). Dort soll an befristeten Lehrerverträgen ausdrücklich festgehalten oder ihre Zahl sogar noch aufgestockt werden. Für Kritik sorgt dies vor allem deshalb, weil dort vor den Sommerferien beendete befristete Arbeitsverhältnisse zu Beginn des neuen Schuljahres erneuert werden. Die Bezahlung der Betroffenen in den Sommerferien wird somit umgangen.

"Eine solche Praxis gibt es im Saarland nicht", erklärte ein Sprecher des Bildungsministeriums in Saarbrücken . Zu Beginn der Sommerferien Mitte Juli seien keine befristeten Verträge ausgelaufen. Allerdings: Zum 31. Juli (also zwei Wochen später!) liefen 53 Verträge aus. "Wie viele von diesen 53 Lehrkräften zum kommenden Schuljahr weiter beschäftigt werden und in welchem Beschäftigungsverhältnis (befristet oder unbefristet) lässt sich derzeit noch nicht absehen", teilte das Ministerium mit. Der Sprecher betonte jedoch: "Ein Großteil zunächst befristet Beschäftigter, die für die angestrebte Schulform voll ausgebildet sind, werden nach einer Dauer von ein bis zwei Jahren unbefristet übernommen."

Nach geltendem Recht könnten Lehrkräfte lediglich befristet beschäftigt werden, wenn sie zur Vertretung von Lehrkräften in Elternzeit, Mutterschutz oder Krankheit eingesetzt werden oder wenn sie noch nicht voll ausgebildet sind und die Wartezeit auf einen Referendarplatz überbrücken. Sogenannte Kettenverträge, also die mehrfache Verlängerungen von befristeten Arbeitsverträgen, gebe es bei Lehrern im Saarland ebenfalls nicht, sagte der Sprecher. Derzeit befinden sich 9105 Lehrkräfte im saarländischen Schuldienst, davon 7908 Lehrkräfte im Beamtenstatus. 898 Lehrkräfte sind unbefristet angestellt. Die Anzahl der befristeten Angestellten beträgt 299.

Der Saarländische Lehrerinnen- und Lehrerverband (SLLV) bestätigt und begrüßt zwar, "dass wir so viele Planstellen wie noch nie haben", so die SLLV-Vorsitzende Lisa Brausch. Gleichzeitig beklagt sie jedoch im Grund- und Förderschulbereich einen Mangel an adäquat ausgebildeten Vertretungslehrern. Ihr Lösungsvorschlag: Attraktivere Lehrerkonditionen, um mehr spezifisch ausgebildetes Lehrpersonal ins Saarland zu locken. Gleichwohl, so muss man hinzufügen, könnte dadurch die Zahl der befristeten Lehrerverträge wieder anwachsen.

In Rheinland-Pfalz hatte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD ) kürzlich erklärt, an befristeten Lehrerverträgen festhalten zu wollen. "Wir wollen die Unterrichtsversorgung (...) eben auch sichern", sagte Hubig. Zwar wolle man darauf achten, dass den Vertretungslehrerkräften mit voller Lehramtsbefähigung der Sprung auf die Planstelle gelinge. Gleichzeitig kündigte Hubig jedoch an, den Pool von Vertretungslehrern im nächsten Schuljahr von 800 auf 1000 Stellen zu erhöhen. In Rheinland-Pfalz sind sieben Prozent der 40 000 Lehrer befristet beschäftigt.