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Bedrohen Modernisierer die Ludwigskirche?

Das barocke Wahrzeichen des Saarlandes, die Saarbrücker Ludwigskirche, soll aufgemöbelt werden. Doch wie viel „Moderne“ ist am Schmuckstück zulässig? Foto: Ev. Kirchengemeinde Alt-Saarbrücken
Das barocke Wahrzeichen des Saarlandes, die Saarbrücker Ludwigskirche, soll aufgemöbelt werden. Doch wie viel „Moderne“ ist am Schmuckstück zulässig? Foto: Ev. Kirchengemeinde Alt-Saarbrücken FOTO: Ev. Kirchengemeinde Alt-Saarbrücken
Saarbrücken. „Barock trifft Moderne“ heißt das Renovierungsprojekt für die Ludwigskirche und deren Umfeld. Doch ehe es starten kann, gibt es Kritik von drei Männern, die bisher das Erbe des Barockbaumeisters Stengel wahrten. Dietmar Klostermann

. Ein Geldsegen von 3,6 Millionen Euro aus Berlin und weiteren 400 000 Euro von der Saarbrücker Staatskanzlei sollen das barocke Wahrzeichen des Saarlandes, die Saarbrücker Ludwigskirche und deren Umfeld, aufmöbeln helfen. Morgen um 11 Uhr wollen die Saarbrücker Ex-Baudezernentin Rena Wandel-Höfer als Vorsitzende einer Jury, der Architekt Henning Freese, Martin Wendt von der Stiftung Ludwigskirche und Christian Weyer, Superintendent des Kirchenkreises Saar-West, die Ergebnisse eines Architektenwettbewerbs vorstellen. Ziel sei es, "die Nutzung der Ludwigskirche für musikalische, gemeindliche und touristische Zwecke zu verbessern unter Wahrung der historischen Bausubstanz und mit Respekt vor der Architektur des Barockbaumeisters Stengel sowie der Rekonstruktionen im Zuge des Wiederaufbaus seit dem Zweiten Weltkrieg", teilte Helmut Paulus, Sprecher der Evangelischen Kirchenkreise an der Saar, mit.



Doch ehe die Pläne öffentlich gemacht werden, melden sich drei Männer zu Wort, die in den vergangenen Jahrzehnten federführend dafür gesorgt haben, dass die 1944 durch alliierte Fliegerbomben zerstörte und danach wiedererrichtete Ludwigskirche im Sinne ihres Baumeisters Friedrich Joachim Stengel (1694-1787) renoviert und gepflegt wurde. Ex-Ludwigskirchen-Pfarrer (1977 bis 2009) Horst Heydt, Ex-Stadtkonservator Professor Dieter Heinz und Architekt Klaus Krüger haben "gewichtige Probleme" beim Umbau ausgemacht und fordern in einem Brief an wichtige Entscheider im Saarland "notwendige Änderungen der Planung". "Ich finde es unerträglich, wie hier mit Steuermitteln umgegangen wird", sagte Heydt der SZ. Im Zentrum der Kritik stehen der Ausbau der elektrischen Fußbodenheizung und der Einbau einer Fernwärmeheizung mit Heizkörpern direkt unter den Bänken. "Die 750 000 Euro für die Heizungsanlage könnte man besser für die Figuren-Sanierung verwenden", sagte Heydt, der heute im Auftrag der Stadt Besuchergruppen durch das barocke Schmuckstück führt.

Weitere Kritikpunkte des Trios sind der vermutete Einbau einer mechanischen Be- und Entlüftungsanlage, die Schaffung je eines Raums für Bewachung und eines Raums für die Kantorei, der Umbau der Krypta zum Heizungsraum, der Einbau von Toiletten mit direktem Zugang durch Schaffung eines Durchbruchs unter der Orgelempore und der Umbau der Fürstenstuhl-Loge "zu einer Art Gemeindezentrum mit Café". Heydt sagte, dass er mehr als drei Jahrzehnte als Beauftragter mit dem Arbeitskreis Ludwigskirche "für diesen großartigen Sakralbau im Sinne der Denkmalpflege für die Kirche und die Kirchengemeinde tätig gewesen" sei. Nicht zuletzt hat Heydt große Summen eingeworben, die etwa die Restaurierung der Figuren auf dem Dach mitfinanzierten.

Besonders sorgt ihn, dass durch den Einbau einer neuen Sitzheizung der Sandsteinfußboden aufgebrochen werden müsste. "Der Sandsteinbelag müsste nach dem Aufbruch an etlichen Stellen in ästhetisch nicht vertretbarer Weise farblich abweichend und in neuem Fugenschnitt ergänzt werden," klagt Heydt. Die derzeitige Elektroheizung sei "voll und ganz funktionstüchtig". Die Schaffung zusätzlicher Räume widerspreche dem Denkmalschutz und könne nur "barbarisch" genannt werden.

Die Kirchengemeinde Alt-Saarbrücken und ihre Architekten-Jury hat nun viel Zündstoff für die morgige Präsentation. Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU ), die die vier Millionen einwarb, wird unter der Projekt-Überschrift "Barock trifft Moderne" bestimmt nicht erwartet haben, dass es zu einem Duell kommt.