Barrieren in Köpfen einreißen

46 Veranstaltungen: Es dürfte nicht viele Veranstaltungsreihen geben, die so umfangreich sind. Die Saarbrücker Sommermusik war dazu immer gut besucht. Ein Bilanz-Gespräch mit Festival-Leiter Thomas Altpeter.

. "Durchweg gut, teilweise hervorragend besucht" sei die Saarbrücker Sommermusik 2014 gewesen, freut sich Thomas Altpeter. Mit 46 Veranstaltungen war das Festival, das gerade zu Ende ging und an das sich am 5. November noch ein Epilog anschließt, wohl das terminreichste des Saarlands. "Ein großer Teil der Stadt wurde mit Musik bespielt, auch Randbezirke wie Bischmisheim fanden großes Interesse", fasst der künstlerische Leiter und Organisator vom Saarbrücker Kulturamt zusammen.

Die Schinkelkirche in Bischmisheim war in diesem Sommer wieder einer der bevorzugten Orte; und auch erstmals gewählte Räume wie die Synagoge, der Schlossfestsaal und das Bürgerhaus Dudweiler seien auf gute Akzeptanz gestoßen, sagt Altpeter. Er kennt viele eingefleischte Gäste, die zu allen Sparten von Kammermusik über Jazz bis hin zu Neuer Musik und experimentellem Musiktheater kommen - erfreulicherweise nehme diese Tendenz immer mehr zu. So kann Altpeter "sehr positiv" vermerken, dass es bei seiner Sommermusik inzwischen nicht nur ein reges Interesse etwa für ein Nischenprogramm wie Kammermusik gibt, sondern dass sich "das Publikum auch immer mehr durchmischt: Zu Free-Jazz-Konzerten kommen auch Leute, die man von der Kammermusik her kennt".

Der Festivalchef möchte Barrieren in den Köpfen niederreißen. "Meine Intention ist, diese Grenzen zu überwinden, da es sich bei beiden Genres um Kunstmusik mit vielen Gemeinsamkeiten handelt, wo sich jeweils Ausdruck und komplexe Strukturen ergänzen."

Rund um das Zitat "Sprich aus der Ferne, heimliche Welt" von Clemens Brentano besaß die Sommermusik 2014 wieder ein dezidiertes Thema: Das 19. Jahrhundert, die Märchen und als instrumentale Schwerpunkte Holzbläser und Streichinstrumente. Die Thematik sei von seinen Künstlern gut getroffen worden, sagt Altpeter. "Wir hatten wieder ein historisches Thema, dennoch gab es zahlreiche Uraufführungen zeitgenössischer Komponisten, die sich auf ihre Art mit den verschiedenen Facetten der Thematik auseinandersetzten."

Neben Mitwirkenden aus Deutschland, dem Ausland und mehrfach sogar aus Übersee hätten sich einmal mehr sehr viele Aktive der hiesigen Musiklandschaft eingebracht und somit die Sommermusik zu einem "Aushängeschild der produzierenden Szene Saarbrückens" gemacht.

"Eine Stadt wird vor allem zur Kulturstadt durch die Kreativität ihrer eigenen Künstler", betont Altpeter, "wobei Austausch und Vergleich mit Gästen natürlich dazugehören." Also blickt Thomas Altpeter optimistisch in die Zukunft: "Ich gehe davon aus, dass der Stadtrat die Finanzierung des Festivals auch in den nächsten Jahren ermöglichen wird."

Epilog am Mittwoch, 5. November, um 19 Uhr im Saarlandmuseum : "Wunder Knabe Horn - Kammer-Musiktheater über deutsche Traumata". Eintritt frei.