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Bangen um das Studienkolleg

Saarbrücken. Am Studienkolleg werden ausländische Studenten auf das Studium vorbereitet. Aus Kostengründen soll es geschlossen werden – obwohl es fachlich unumstritten ist. Absolventen des Kollegs begehren nun dagegen auf. Peter Wagner

"Über unsere Schließung ist noch nicht final entschieden, das muss der Landtag tun", gibt sich Leiter Michael Aulbach zuversichtlich, dass das von der Universität des Saarlandes verkündete Ende des Studienkollegs doch noch abzuwenden ist. Wie berichtet (SZ vom 13. März), hat die Uni auf ihrer Homepage mitgeteilt, keine Studienbewerber für die Fachkurse, die zur Feststellungsprüfung (FSP) führen, mehr aufzunehmen. Studienbewerber aus Nicht-EU-Ländern wie Russland, Pakistan, Iran , China oder Vietnam , deren Abitur in Deutschland nicht anerkannt wird, brauchen diese FSP, um ihre Hochschulausbildung antreten zu können. Das Studienkolleg ist für sie das Karriere-Eingangstor zu naturwissenschaftlichen, medizinischen und technischen Berufen. Unterstützer des Kollegs weisen vor allem darauf hin, dass diese Einrichtung genau die Fach- und Führungskräfte anziehe, die man aufgrund des demografischen Wandels hier benötige, und das mit minimalem Aufwand. Der Einspareffekt von nicht einmal 300 000 Euro sei eine Winzigkeit im Vergleich zum späteren Nutzen.

Aulbach sieht in der drohenden Schließung ein "Politikum": Das Studienkolleg sei im Prinzip fachlich unumstritten, seine Leistung für die Internationalisierung des Bundeslandes bekannt, es gehe nur darum, wer es bezahle. Das Land sage der Uni: Ich habe kein Geld mehr für dich. Darauf entgegne die Uni: Dann mache ich das Studienkolleg zu, dann kannst du die Feststellungsprüfungen selber abnehmen. Schließlich ist dies eine staatliche, nicht unbedingt eine universitäre Aufgabe.

Nach einer Unterschriftensammlung mit über 2000 Namen sowie Fürsprachen ehemaliger FSP-Absolventen ist Aulbach sicher, in der Politik ein neues Nachdenken über die Schließung angestoßen zu haben. Unterdessen haben sich zahlreiche Migranten der 1950er und 60er Jahre, vor allem aus dem Iran stammende Akademiker um den Biologen Huschang Gechnizdjani, die üblicherweise nicht zu öffentlichem Aufbegehren neigen, mit einer Protestnote an Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU ) gewandt. "Wir haben uns im Saarland niedergelassen und integriert, unsere Kinder hier aufgezogen und ihnen ein Leben ermöglicht, das sie zu Leistungsträgern der deutschen Gesellschaft gemacht hat. Basis dafür war das Studienkolleg", rufen sie in Erinnerung. Wenn das Kolleg schließe, verliere das Saarland seine Attraktivität für ausländische Studenten, die den Bedarf in Naturwissenschaften, Informatik und Medizin decken könnten. "Das Studienkolleg ist der erste Schritt zur Bindung an ein Land. Wenn es einen guten Eindruck macht, dann heißt es: Hier bleibe ich! So was macht man doch nicht kaputt", sagt der Physiker Fredrick Golpashin. Fast 50 Prozent seiner iranischen Landsleute, die das Studienkolleg absolvierten, seien an der Saar geblieben.