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Bäume von Kunst-Larven befallen

„Kokon – ein kleiner Freiraum“ heißt ein Kunstprojekt für Alt und Jung im SOS-Zentrum. Am Donnerstag wurden die Bäume am Ophüls-Platz verziert. Foto: Dietze
„Kokon – ein kleiner Freiraum“ heißt ein Kunstprojekt für Alt und Jung im SOS-Zentrum. Am Donnerstag wurden die Bäume am Ophüls-Platz verziert. Foto: Dietze FOTO: Dietze
Saarbrücken. Junge und alte Menschen haben gemeinsam mit der Künstlerin Annette Orlinski wochenlang an dem Projekt „Kokon“ gearbeitet. Jetzt hängen an den Bäumen des Ophüls-Platzes riesige Larven. nba

. Von weitem sehen sie aus wie überdimensionierte Raupen, die auf drei Bäumen des Saarbrücker Max-Ophüls-Platzes überwintern. Wenn man näher hinschaut, erkennt man aber, dass es sich bei den Objekten um gefüllte Folien handelt, die in Form gepresst wurden und mit bunten Schnüren und Fäden umwickelt sind. Bei diesen von Menschenhand gestalteten Kokons handelt es sich um die Ergebnisse der gelungenen, generationenübergreifenden Kunstaktion "Kokon - ein kleiner Freiraum". Annette Orlinski ist die Künstlerin, die die Kokons in 35 Senioren-Einrichtungen im Saarland herstellt. Im ganzen Land arbeitet sie mit älteren Menschen, um die Kokons zu gestalten. Nur hier, bei dem Projekt im Nauwieser Viertel, haben auch Jugendliche mitgemacht. "Das Ganze fand seit Oktober im ‚Nauwieser Treff' statt. Das ist eine Veranstaltung unserer Initiative Nauwieser Viertel, bei der sich donnerstags ältere Anwohner in der Cafeteria des SOS-Kinderdorfs treffen", erklärt Lieselotte Hartmann von der Initiative Nauwieser Viertel. Da lag die Idee nahe, die jugendlichen Teilnehmer der Maßnahme Integra, die ebenfalls im SOS-Kinderdorf beheimatet ist, zu dem "Nauwieser Treff" einzuladen und dann gemeinsam die Kokons zu gestalten.

Unter Annette Orlinski wurde dann gemeinsam gehäkelt und gestrickt, um die Schnüre für die Kokons herzustellen. "Und dabei haben wir bisher unentdeckte Stricktalente entdeckt", erzählt Lieselotte Hartmann lachend. Denn das Erlernen dieser Beschäftigung hat vor allem den Jugendlichen viel Spaß gemacht. Die älteren Damen - und ein Herr - waren mit dem Umgang der Handarbeiten vertrauter, auch wenn nicht mehr alle eine Nadel halten können. "Daher wurde bei uns mit den Fingern gehäkelt", erklärt Lore Tittelbach, die seit zwei Jahren zum "Nauwieser Treff" kommt. "Leider kann ich auch nicht mehr stricken, mir fehlt das Gefühl in den Fingerspitzen, aber ich habe dafür die Knäuel gerollt", erzählt sie. Für Annette Orlinski war die Zusammenarbeit von Jugendlichen und Senioren überraschend einfach. "Das hätten wir nicht gedacht, aber alle waren ganz begeistert."

Zu dem Erfolg beigetragen hat auch die Idee hinter der Gestaltung der Kokons. "Zuerst war mir wichtig, dass wir alte und gebrauchte Materialien recyceln. Und dann geht es auch darum, mit diesen Kokons, die eine ganz einfache Form haben, Freiräume zu schaffen. Denn Kokons sind Schutz- und Freiräume für Insektenlarven, in denen sie sich entwickeln können. Und unsere Kokons sind auch Schutz- und Freiräume, denn die Jugendlichen und die Senioren konnten bei der Herstellung in geschütztem Rahmen Neues für sich entdecken", berichtet die Künstlerin.