Bäume sollen niemanden gefährden

Drei Gartenbaumeister tun tagtäglich nichts anderes, als die Saarbrücker Stadtbäume in Augenschein zu nehmen – und bei Gefahr fällen zu lassen. Die Verkehrssicherungspflicht duldet keine Nachlässigkeit.

Mit Bäumen ist es wie mit Menschen, man kann von Äußerlichkeiten auf die Gesundheit schließen. Verzerrte Rinden-"Gesichter", spärliche Belaubung, eine verquere Kronenarchitektur oder Löcher im Holz sind oft Zeichen von ernsten Schäden. Und ehe ein Stadtbaum Äste abwirft, muss er repariert oder gefällt werden. Die Landeshauptstadt muss Menschen und Sachwerte vor Schäden durch Bäume an Straßen und in öffentlichen Anlagen bewahren. In Anbetracht von geschätzt über 50 000 Bäumen (einschließlich Dudweiler und auf Friedhöfen) ist der Aufwand beträchtlich, nicht zuletzt wegen tödlicher Unfälle wie kürzlich in Trier, wo ein Mensch von einer maroden Eiche getötet wurde. "Wir befassen uns so intensiv wie noch nie mit unseren Bäumen", versichert Carmen Dams, die Leiterin des Amtes für Stadtgrün und Friedhöfe.

Soeben verstärkte und reformierte sie das Kontrollsystem. Gleich drei Gartenbaumeister tun tagtäglich nichts anderes, als Stadtbäume zu kontrollieren und bei Bedarf Maßnahmen zu veranlassen. Etwa 60 bis 100 Bäume würden jährlich aus Sicherheitsgründen gefällt, berichtet Klaus Anton. "Bäume sind faszinierende, komplexe Wesen, deren Wohl uns am Herzen liegt, wir denken und handeln allerdings strikt sachlich und sicherheitsorientiert", beschreibt Holger Wörner die Tätigkeit.

Das Handwerkszeug der Kontrolleure sind ein Sondierstab aus Metall zum Aufspüren von Faulstellen sowie ein Diagnose-Hammer. Am wichtigsten: ein gutes Auge und Wissen um Baumstatik, um Schädlinge und um Zusammenhänge. Die Baumtester orientieren sich am "Papst" Prof. Claus Mattheck und seiner verbreiteten Lehre von der "Körpersprache der Bäume" nebst Feldanleitung für die Kontrollgänge. Es werden nicht alle Bäume im gleichen Takt geprüft. Hundertjährige Eichen an belebten Orten werden mehrfach in Augenschein genommen, gerade nach Stürmen.

Mehr Vielfalt

Was früher als perfekter, anpassungsfähiger Stadtbaum galt, gerät heute wegen steigender Temperaturen oder neuer Schädlinge in Schieflage. So sind die 3500 Saarbrücker Platanen vom Massaria-Pilz bedroht. Man versucht durch Entnahme von befallenen Ästen, die meisten zu retten, pflanzt aber keine neuen mehr. Wie andere Städte probiert Saarbrücken viele neue Arten aus, um Vielfalt zu erhalten. In Saarbrücken stehen über 50 Baumarten (plus diverse Unterarten). Neu sind die Paulownia (Blauglockenbaum) in der Faktoreistraße und der Zürgelbaum in der Türkenstraße. Der größte Feind des Stadtbaumes ist nach Überzeugung der Experten das Auto, das beim Rangieren keine Rücksicht nimmt und die Bäume anstößt und verletzt, vor allem in den Industriegebieten.