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Backbord rauscht die Autobahn

Saarbrücken. Ein Stück Wasser zwischen Stadtautobahn und Bürgerpark – das ist das Bild von Saarbrücken, dass sich den etwa 2000 Menschen bietet, die jedes Jahr von hier in den Urlaub starten oder ihn hier beenden. Die Tourismuszentrale würde den Flusskreuzfahrern gerne viel mehr von Stadt und Land zeigen. Martin Rolshausen

Es ist Montagabend, der Sekt ist gut gekühlt, Thomas Götten und Oliver Jost verbreiten Urlaubsstimmung. Rund 100 Inhaber und Mitarbeiter von Reisebüros aus der Region sind auf die MS Lafayette gekommen, um eine Erfolgsgeschichte zu feiern. Götten und Jost sind Geschäftsführer bei der Saarbrücker Anton Götten GmbH. Christian Schmitter, der Mann, der neben ihnen steht, ist Generaldirektor der elsässischen Reederei CroisiEurope. Der Reederei gehört das Schiff, das nur für diese Feier am Saarufer unterhalb der Congresshalle angelegt hat.

Die drei Männer verbindet, so sagen sie, nicht nur ein erfolgreiches Geschäftsmodell, sie sind Freunde. Sein Vater, erzählt Christian Schmitter, habe zu ihm gesagt: "Geh zu Anton Götten Reisen. Die Busse sehe ich immer in Playa de Aro. Vielleicht haben die Interesse." "Die" hatten Interesse. Und so ist das Saarbrücker Unternehmen, das vielen Saarländern vor allem durch Busreisen in die firmeneigene Ferienanlage in Spanien ein Begriff wurde, ins Flusskreuzfahrt-Geschäft eingestiegen. 20 Jahre ist das her. Ein Grund zum Feiern.

29 Fluss-Schiffe und vier zu Hotels umgebaute Penichen hat die Reederei auf Rhein, Donau, Saar, Mosel, Neckar , Elbe, Oder, Havel, Rhône , Saône , Seine, Loire, Gironde, Dordogne, Garonne, Douro, Po, Guadalquivir, Guadiana, in der Lagune von Venedig sowie auf einigen französischen Kanälen im Einsatz. Dazu hat die Reederei eine große Yacht, die vor den Küsten Kroatiens, Griechenlands und Zyperns kreuzt, sowie vier Fluss-Schiffe auf dem Mekong. Weltweit vermarkten die Straßburger Reeder (Jahresumsatz 146 Millionen Euro) ihr Angebot selbst. Nur in deutschsprachigen Ländern nicht.

Da setze man ganz auf Götten in Saarbrücken , sagt Schmitter. Dass Götten 1997 Generalagent für den deutschsprachigen Raum wurde, habe auch damit zu tun, dass es sich bei Anton Götten Reisen wie bei CroisiEurope um ein Familienunternehmen handelt. Man traue sich. Was man wohl auch muss bei 18 Millionen Euro Jahresumsatz, den die rund 21 000 deutschsprachigen Kunden bringen.

Bis zu 2000 von ihnen gehen jedes Jahr in Saarbrücken , Saarlouis oder Merzig an beziehungsweise von Bord. Von Bord, wenn die Rhein-Neckar-Mosel-Saar-Reise in Straßburg startet. An Bord, wenn die Tour über Trier, Cochem, Rüdesheim, Mannheim und Heidelberg in Straßburg endet.

Teil des Erfolgsrezepts von CroisiEurope seien die attraktiven Liegeplätze im Zentrum der Städte, in denen man anlegt, erklärt Oliver Jost den Reisebüro-Leuten. Während über den Bildschirm im Salon der MS Lafayette Bilder aus Bordeaux flimmern, rauscht Backbord die Saarbrücker Stadtautobahn.

Dass man hier keinen besonders attraktiven Liegeplatz hat, sei ihm bewusst, sagt Thomas Götten am Rande der Feier. Normalerweise lege man sogar noch ein paar Meter weiter jenseits der Westspange an der sogenannten Roro-Anlage an. Das ist das Hafenbecken, das dort angelegt wurde, wo einst das Malstatter Nadelwehr war, um Schiffe mit Gütern der Schwerindustrie beladen zu können.

Das kommt sehr selten vor. Statt der schwer beladenen Laster kommen nun Göttens Busse. Die Flusskreuzfahrer mit Bussen direkt ans Schiff zu bringen, sei leider weder in der Innenstadt noch an der Congresshalle möglich.

Selbst das Wenden der rund 90 bis 110 Meter langen Schiffe sei in der Roro-Anlage nicht ganz einfach, sagt Kapitän Benjamin Leclere. Da seien am Heck und am Bug der Schiffe nur ein paar Zentimeter Luft zu den Ufermauern.

Dass auch Birgit Grauvogel, die Chefin der Tourismuszentrale Saar, die Feier von Götten und CroisiEurope zum Anlass nahm, an Bord der MS Lafayette zu kommen, hatte nichts mit den anspruchsvollen Wendemanövern zu tun. Sie nutze die Gelegenheit, um mit Christian Schmitter und Thomas Götten darüber zu reden, wie man deren Kunden zeigen könnte, dass Saarbrücken und das Saarland mehr zu bieten hat als eine Autobahn am Fluss.

Das Problem: Viele der Reisenden kommen von weither. Thomas Götten spricht von 500 bis 600 Kilometern. Wer so weit reist, hat Flüge oder Züge gebucht und kann sich in der Regel nicht spontan entscheiden, doch noch etwas zu bleiben, weil er vor Ort mitbekommen hat, dass es hier noch einiges zu sehen und zu erleben gibt. Man müsste also die Saarland-Werbung schon bei beziehungsweise vor der Buchung platzieren.

Ob das möglich ist? Die Frage blieb am Montagabend erstmal unbeantwortet. Ein Journalist, der aus München angereist war, bestätigte aber, dass Birgit Grauvogels Anliegen berechtigt ist. Er sei gekommen, um über Göttens Engagement im Flusskreuzfahrtgeschäft zu berichten, sagte er am Rande der Jubiläumsfeier. Erst als er in Saarbrücken angekommen sei, sei ihm durch einige Gespräche klar geworden, dass es von hier noch viel mehr zu berichten gebe.

croisieurope.de