Bach – gegen den Strich gebürstet

Ein klingender Lebensbegleiter hat Stijn Celis zu seiner neusten Choreographie angeregt. Zu Johann Sebastian Bachs Goldberg-Variationen stellt er spannungssteigernde Bewegungsideen. Sie wirkten in der Generalprobe sogar auf der noch unfertigen Bühne. Das macht noch neugieriger auf die Premiere.

Zu Johann Sebastian Bach hat Stijn Celis ein besonders enges Verhältnis. Die Goldberg-Variationen seien die erste Vinylplatte gewesen, die er sich in seiner Jugend gekauft habe. Seitdem habe diese Musik ihn immer begleitet, erzählte der Ballettdirektor am Mittwoch in der Alten Feuerwache. Dort erwiesen sich die Ballettfans unter den Theaterzuschauern wieder als besonders neugierig. In großer Schar nutzten sie das Angebot des Staatstheater-Balletts, an einer öffentlichen Probe zur neusten Celis-Choreografie "Goldberg" teilzuhaben. Am 10. Dezember feiert das Tanzstück Premiere.

Von einem Künstler erfordert es durchaus Mut, dem Publikum vorher Einblick zu gewähren. Ist doch vieles noch nicht fertig. Zum Beispiel das Bühnenbild. Hellgrau ist der Tanzboden und die gestuften Wände, die ihn an drei Seiten umschließen. Getanzt wurde an diesem Abend im Arbeitslicht. Atmosphäre will da noch nicht recht aufkommen.

Kompaniemanager Klaus Kieser zeigte dem Publikum zwei Beamer an der Decke. Von dort oben werden später Videoprojektionen des Stuttgarter Künstlers Philipp Contag-Lada die Bühne in ein völlig anderes Licht tauchen. Die nackte Bühne hat aber auch ihren Reiz. Sie ermöglicht es, sich ganz auf die Struktur der Choreografie zu konzentrieren. Zu deren Entwicklungsprozess bot Celis interessante Erläuterungen.

So wird "Goldberg" abstrakten Tanz bieten, also keine Geschichte erzählen. Die Choreografie habe er gemeinsam mit seinen Tänzerinnen und Tänzern entwickelt, betonte Celis. Nicht linear, der Musik folgend von Anfang bis Ende. Vielmehr habe er den Tänzern in den Proben Kärtchen geben mit Wörtern wie "truck" oder "may" oder auch ganzen Sätzen. Die sollten sie einzeln "kalligraphisch" in Bewegungen umsetzen.

Ihre Bewegungsimprovisationen hat Celis aufgegriffen, modifiziert und damit innerhalb der Komposition tänzerisch zunächst "Ankerpunkte" gesetzt. "Die Leichtigkeit der Musik - wir versuchen, ein bisschen dagegenzuarbeiten."

Es ist ein für das Verständnis der Choreografie wichtiger Schlüsselsatz, den Celis den Tänzern zwischendurch auf der Bühne auf Englisch zurief. Denn was auffiel: Sie schlendern, zeitlich versetzt, oft mitten in einer der 32 Variationen auf die Bühne, tanzen nur ein paar Sekunden und treten dann wieder ab. Auch im Bewegungsausdruck merkt man dieses Gegen-den-Strich-Bürsten und Aufrauen des musikalischen Flusses. Häufig krümmen und biegen sich die Tänzer , oft mit hoher Muskelanspannung.

Selten griff Celis vom Regiepult aus ein, sein Ensemble mit vielen neuen Mitgliedern, wirkte für den Zuschauer schon ziemlich perfekt. Manchmal aber ließ er sie ganze Sequenzen mehrfach wiederholen. Es verriet dem Publikum, wie viel Feinarbeit in kleinsten Gesten steckt.

Premiere ist am Samstag, 10. Dezember, 19.30 Uhr, in der Alten Feuerwache. Weitere Aufführungen sind am 15., 18., 20., 22. und 26. Dezember sowie am 12. und 25. Januar

Ballett-Chef Stijn Celis bei der Generalprobe zu „Goldberg“.

staatstheater.saarland