Awo gibt Pläne für Ferrumhaus auf

Saarbrücken. Das Vorhaben, im Ferrumhaus ein Café für Suchtkranke zu öffnen, ist vom Tisch. Das sagte auch die Bezirksbürgermeisterin Mitte, Christa Piper (SPD), den knapp 70 Teilnehmern einer Bürgerversammlung gestern im Hotel Kaiserhof in der Uhlandstraße

Saarbrücken. Das Vorhaben, im Ferrumhaus ein Café für Suchtkranke zu öffnen, ist vom Tisch. Das sagte auch die Bezirksbürgermeisterin Mitte, Christa Piper (SPD), den knapp 70 Teilnehmern einer Bürgerversammlung gestern im Hotel Kaiserhof in der Uhlandstraße. Sie nahm damit denjenigen Anwohnern und Geschäftsleuten im Ostviertel den Wind aus den Segeln, die angeregt durch die SZ-Berichterstattung, ihren Widerstand gegen die Awo-Pläne kundtun und das Projekt verhindern wollten.

Die Versammlung eröffnet hatte um 14 Uhr Andrea Dumont, die gemeinsam mit ihrem Ehemann Joachim das Hotel Kaiserhof führt. Sie und die Inhaber des "coming home" (ein Laden für hochwertige Wohnaccessoires), Stefan Müller und Enrico Enge, hatten seit vergangenem Samstag, dem Erscheinungstag des SZ-Artikels "Neue Mieter fürs Ferrumhaus", massiv für eine breite Unterstützung gegen die Awo-Pläne geworben.

Und das nicht, weil "wir etwas gegen substituierte Drogenabhängige haben" (Müller), sondern weil sie annehmen, dass dann ihr Geschäfts- und Wohnumfeld zum Treffpunkt von Junkies werden könnte. "Es geht darum, dass man die Problematik im Umfeld der Unternehmung der Awo, die man schon auf der Berliner Promenade nicht in den Griff bekam, bedenkenlos in ein hochwertiges Wohn- und Gewerbegebiet setzt", sagten Müller und Enge.

Die Organisatoren der gestrigen Versammlung waren schon am Vormittag über die neueste Entwicklung informiert worden. So habe Saarbrückens Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD) Andrea Dumont telefonisch versichert, dass die Sache vom Tisch sei. Sie selbst, Britz, habe von der Absicht der Awo nichts gewusst. Am Dienstagmorgen habe auch Bürgermeister Kajo Breuer (Die Grünen), der selbst in dem Viertel wohne, seine Unkenntnis ausgedrückt.

Allerdings gab es gestern in der Bürgerversammlung durchaus die Vermutung, dass die Awo ihren Plan doch weiterverfolge und an anderer Stelle im Ostviertel eine Beratungsstelle eröffnen könnte. Dieses Misstrauen konterte Piper: "Das ist definitiv vom Tisch, ich stehe dafür ein." Die großen Zweifel an den politisch Verantwortlichen konnte sie damit aber offensichtlich nicht ausräumen, denn einige Teilnehmer ließen nicht locker: Sie regten eine Unterschriftenliste an, aus der eindeutig hervorgehen solle, dass die Anwohner und Geschäftsleute des Viertels eine Beratungsstelle für Substituierte mit Café nicht wollen - "heute nicht, nicht am 1. April und auch nicht am 1. Oktober".

Gegen Ende der Versammlung unterschrieben 62 Menschen die Liste; einige hatten kurz vor 15 Uhr den Raum bereits verlassen. Die Liste wollen die Dumonts in ihrem Hotel auslegen, damit Nachbarn, die gestern keine Zeit zur Teilnahme hatten, sich noch eintragen können. Nach eigenen Worten will Andrea Dumont den schriftlichen Protest gegen eine Beratungsstelle im Ostviertel an Charlotte Britz schicken. Gestern wurde zudem beschlossen, sich möglichst noch vor Ostern zu treffen, um "die Entwicklung zu beobachten" und die "positive Energie der Solidarität" im Ostviertel nicht verpuffen zu lassen (Müller). "Das ist definitiv vom Tisch, ich stehe dafür ein."

Christa Piper,

Bezirksbürgermeisterin

Auf einen Blick

Ein weiteres Thema erhitzte die Gemüter gestern: der Müll, der Dreck am Containerstandplatz direkt vor dem Ferrumhaus und der Hundekot auf dem Grünstreifen entlang der Mainzer Straße. Auch trotz wiederholter Anrufe bei der Stadtverwaltung sei hier nichts geschehen, und das schon seit langem. In der nächsten Sitzung des Bezirksrates Mitte will Bezirksbürgermeisterin Christa Piper beantragen, die Container abzubauen. thf