Autos sollen weg vom Straßenrand

Saarbrücken wirkt immer zugeparkt, obwohl von den 15 500 öffentlichen Stellplätzen Tausende frei sind. Der neue Verkehrsentwicklungsplan sieht das Kernproblem darin, dass das Parken am Straßenrand zu günstig und das Parken in Parkhäusern und auf Parkplätzen zu teuer ist. Eine Parkraumstrategie soll gegensteuern. Stärkere Kontrollen, ein Parkraumbeirat, Poller und Radständer, eine Parkraum-App und vieles mehr: Der Maßnahmen-Katalog des Verkehrsentwicklungsplans ist lang und voller ehrgeiziger Pläne.

Das Auto im Saarbrücker Straßenraum abzustellen ist eher zu billig, die Parkhäuser dagegen, vor allem die von Q-Park, sollten nicht so teuer sein. Das ist eine der Kernaussagen des Verkehrsentwicklungsplanes (VEP) der Landeshauptstadt - und Ansatzpunkt der Parkraumstrategie, die mit höchster Priorität in Angriff genommen werden soll. Der so genannte Parkdruck vor den billigen Plätzen im Straßenraum soll umgeleitet werden.

Von folgenden Zahlen geht der VEP aus: Mehr als die Hälfte der öffentlichen Stellplätze in der Innenstadt befindet sich in Parkhäusern und auf größeren Parkplätzen, nämlich 8800 von 15 500. Im Gegensatz zu den Stellplätzen an den Straßen sind die Parkbauten nach Beobachtung der Planer wenig ausgelastet. Die durchschnittliche Höchstbelegungsquote wurde mit 52 Prozent an Donnerstagen und 55 Prozent an Samstagen festgestellt. Abends, wenn die Straßen-Stellplätze besonders ausgelastet sind, stünden sogar über 5000 Stellplätze in den Häusern zur Verfügung.

Der Verkehrsentwicklungsplan kommt zu folgender Einschätzung: "Das Kernproblem besteht in den im Vergleich zum Straßenraumparken höheren Parkgebühren in den Parkbauten. Diese sind zwar im Städtevergleich für ein Oberzentrum eher im durchschnittlichen Bereich, während allerdings die Gebühren im Straßenraum eher niedrig sind ... Der Parkdruck bündelt sich somit aufgrund der höheren Parkgebühren in den Parkhäusern eher im Straßenraum. Dies führt letztendlich zu Parksuchverkehr und zum Gefühl einer zugeparkten Stadt." Nach Ansicht der Experten ist die Zahl der Falschparker-Kontrollen, mit denen die Situation geändert werden könnte, "immer noch zu gering".

Man möchte nun als "essenzielle Maßnahme" zu ausgeglichenen Parkgebühren zwischen den Parkbauten aller Betreiber (auch der Kaufhäuser) einerseits und dem öffentlichen Straßenraum andererseits kommen. Straßenraum soll vorwiegend dem Kurzzeitparken dienen; hier soll das Parken nicht günstiger sein als in Parkbauten; die Gebühren möchte man bevorzugt schrittweise erhöhen. In den Parkbauten will man sie dagegen verringern oder zumindest einfrieren. Da kein direkter Einfluss möglich ist, soll dies auf Verhandlungsbasis geschehen. Die Planer sind also auf Unterstützung aller Bewirtschafter angewiesen. Der VEP sieht als begleitende Maßnahme die "Erweiterung der Kontrollintensitäten" vor. Sprich: Es sollen mehr Falschparker mit Strafe rechnen müssen.

Als erhaltenswert gilt das Bewohnerparken, das man gar bis 22 Uhr (statt 20) ausweiten möchte. Auch hier soll der Kontrolldruck durch das Ordnungsamt verstärkt werden, damit keine Anreize mehr bestehen, die Bewohnerparkplätze unbefugt zu benutzen. Besonderes Augenmerk wird den Berufspendlern und ihrem hohen Parkplatzbedarf gewidmet. In erster Priorität sollen möglichst viele Wege auf Bus, Bahn und Rad/Fuß verlagert und Mitfahrangebote attraktiv gemacht werden. Wer dennoch mit dem Wagen kommt, soll "stadtverträglich" parken, möglichst in Parkhäusern.

Vorschläge aus der Politik, mehr "bezahlbare" Parkplätze neu zu schaffen, finden im Verkehrsentwicklungsplan keinen Nachhall. Wünschenswert sei eher, "schrittweise die Zahl von Stellplätzen im öffentlichen Raum zu reduzieren, um die Flächen für andere Verkehrsarten oder als Aufenthaltsflächen umzuwidmen ("Erhöhung der Straßenraum- und Lebensqualität in Saarbrücken )".

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