Autorin stimmt Lobpreis auf die Bausünde an

Wer beim Bauen aus der Reihe tanzt, darf sich der Expertenschelte sicher sein. Architek-turkennerin Turit Fröbe macht da nicht mit. Sie sieht im vermeintlich Schrägen viel Schönes. Auch im Regionalverband.

Bausünden haben einen miesen Ruf. Sei es die Aufrüstung eines Vorgartens mit Baumarkt-Material oder der sündhaft teure Spektakelbau des bekannten Baumeisters - wo Architektur aus der Reihe des gewohnt "Schönen" oder "Normalen" schlägt, schimpft jeder beherzt mit. Nur Turit Fröbe nicht. Die 42-jährige Berlinerin arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Studiengang Architektur der Universität der Künste Berlin. Sie ist beseelt davon, die Bausünde für ihren Mut, ihren Einfallsreichtum und ihre Entschlossenheit zu preisen. Seit über zehn Jahren fotografiert Turit Fröbe in der ganzen Republik Bausünden in ihren wildesten Ausprägungen und hat aus den Fotos bereits einen Kalender und nun auch ein Bilderbuch gemacht. Es heißt "Die Kunst der Bausünde" und fällt auch durch eine gewisse Überrepräsentanz des Saarlandes auf.

Dass Saarbrücken einmal drin vorkommt, und zwar mit einem skurrilen Dachgauben-"Unfall", war zu erwarten, drei Mal Göttelborn (allerdings mit mehrere Jahre alten Fotos) erscheint aber übermäßig, oder? Für Turit Fröbe ist das leicht zu erklären: Wie sie der SZ mitteilte, war sie am Modellprojekt "Plan Urban" für die Industriekultur Saar beteiligt und deshalb quasi beheimatet am "Zukunftsstandort" Göttelborn. Aber noch einmal: "Solche Einfamilienhaus-Bausünden sollte man als "Street-art" bezeichnen, als liebevolle Zeugnisse der Industrialisierung, man darf sie nicht negativ betrachten."

Turit Fröbe, deren Arbeit bundesweit Beachtung findet und von nahezu allen großen Medien wohlwollend porträtiert wird, hat nach eigenen Worten "ein durchweg gutes Feedback" erhalten.

Turit Fröbe, Die Kunst der Bausünde, Quadriga Verlag.

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