Aus Rache zur Peitsche gegriffen

Saarbrücken. Das Verhältnis zwischen Künstlern und Kritikern ist naturgemäß nicht immer das beste. Vor allem in den ungewohnt meinungsfreien Nachkriegsjahren führten die beiden Lager oft Fehde, und auch innerhalb der damals noch breit gefächerten saarländischen Presselandschaft gingen die Meinungen zu einer bestimmten Aufführung häufig auseinander

 Das Ensemble der "Zauberflöte" bei der Hauptprobe im September 1973. Foto: Julius C. Schmidt

Das Ensemble der "Zauberflöte" bei der Hauptprobe im September 1973. Foto: Julius C. Schmidt

Saarbrücken. Das Verhältnis zwischen Künstlern und Kritikern ist naturgemäß nicht immer das beste. Vor allem in den ungewohnt meinungsfreien Nachkriegsjahren führten die beiden Lager oft Fehde, und auch innerhalb der damals noch breit gefächerten saarländischen Presselandschaft gingen die Meinungen zu einer bestimmten Aufführung häufig auseinander.

So mancher Pressevertreter musste sich von den Kulturschaffenden gar den wenig schmeichelhaften Vergleich mit einem Eunuchen gefallen lassen: Er wisse zwar vielleicht, wie's geht, kriege es aber selbst nicht hin.

Wenig gewillt, Kritik einfach so wegzustecken, war Demetrius Galbierz, ein lange in Saarbrücken tätiger Schauspieler. Seine Darstellung des "Egmont" hatte einem Journalisten nicht zugesagt, worauf Galbierz zur mannhaften Tat schritt: Es dürfte ein imposanter Auftritt gewesen sein, als sich der verkannt fühlende Künstler in echauffiertem Zustand vor dem Schreibtisch des Redakteurs aufbaute und wütend mit einer Reitpeitsche auf das Möbel einhieb, um seinem Grimm schneidig Nachdruck zu verleihen.

Subtiler und humorvoller fiel die "Rache" aus, die das Ensemble der "Zauberflöte" Ende der 60er Jahre an Albert Peter Bitz (Foto: Julius C. Schmidt), Feuilleton-Redakteur und Musikkritiker der Saarbrücker Zeitung, übte. Die satirische Spitze traf den Rezensenten im zweiten Akt, 13. Auftritt, in Form eines Wortspiel-Gewitters.

Als nämlich, begleitet von Donnergrollen, der zweite Priester laut Libretto den Vogelhändler eigentlich mahnen sollte: "Papageno, wer an diesem Ort sein Stillschweigen bricht, den strafen die Götter durch Donner und Blitz!", ertönte stattdessen "... den strafen die Götter durch Donner und Bitz!". Das anschließende "Leb wohl!" dürfte im Gelächter untergegangen sein.

Kritik hat nicht geschadet

Dass aber eine scharfe Kritik der Karriere nicht unbedingt hinderlich sein muss, zeigt sich an der Berufung Hermann Wedekinds (1910-1998) als Intendant nach Saarbrücken.

Er wurde engagiert, obwohl ein Freund des damaligen Saarbrücker Oberbürgermeisters Fritz Schuster diesen vor ihm warnen wollte und ihm eine Rezension aus Linz über Wedekinds dortige Inszenierung von "Don Pasquale" zuspielte.

Die Überschrift lautete: "Mordsache Hermann Wedekind gegen Gaetano Donizetti". Auch Wedekinds Mutter wurde über das "Verbrechen" ihres Sohnes informiert. Es soll allerdings eine Zeit lang gedauert haben, bis die alte Dame davon überzeugt war, dass ihr Sohn niemanden getötet hatte. . .

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