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Aus für das „Erbe“

Von Professor Jürg Steiner (Wuppertal) kunstvoll inszeniert: Die „Erbe“-Schau im Redener Zechenhaus. Foto: Ruppenthal
Von Professor Jürg Steiner (Wuppertal) kunstvoll inszeniert: Die „Erbe“-Schau im Redener Zechenhaus. Foto: Ruppenthal FOTO: Ruppenthal
Reden/Saarbrücken. Nur 15 000 Menschen kamen im vergangenen Jahr ins Redener Zechenhaus zur „Erbe“-Ausstellung. Die Landesregierung zieht die Reißleine – und denkt an Neustart. Die Bergarbeiter-Kultur soll in Reden eine Heimat behalten. Cathrin Elss-Seringhaus

Kultur ist keine mathematische Größe, aber Resonanz und Akzeptanz bilden sich nun mal in Bilanzen ab. Für die Landes-Bergbau-Ausstellung "Das Erbe" auf dem früheren Grubenstandort Reden der Gemeinde Schiffweiler sprechen die Zahlen des Jahres 2014 eine unmissverständliche Sprache: 470 000 Euro Betriebskosten stehen einem Eintrittsgelder-Ertrag von 30 000 Euro gegenüber. Jedem einzelnen der 15 000 Besucher im Zechenhaus hat der Steuerzahler demach etwa 30 Euro in die Hand gedrückt. Nicht mitgerechnet die Entstehungskosten (1,25 Millionen) des Prestigeprojektes der Erinnerungskultur, das Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU ) 2012, nach dem Ende des Bergbaus, den Bergleuten zum politischen Geschenk machte.
Nicht für die Dauer gedacht



"Das Erbe" war nie als Dauerausstellung gedacht, erst Recht nicht als Kern eines saarländischen Bergbaumuseums. Zugleich war von Seiten der Politik immer von "Verstetigung" die Rede. 2013 wurde die Ausstellung um ein Jahr verlängert, obwohl die Besucherzahlen krass hinter allen Erwartungen lagen. Statt der angepeilten 50 000 Besucher waren nur 30 000 gekommen. Ein klarer Fall von Misserfolg? Darüber reden will von Seiten der Landesregierung niemand, trotz mehrfacher SZ-Nachfrage. Dabei steht fest, dass "Das Erbe" Ende 2015 schließen wird. Am 28. November sei eine Abschlussveranstaltung geplant, erfuhr die Saarbrücker Zeitung aus sicheren Quellen.

"Ich finde die Entscheidung in Ordnung, unter der Voraussetzung, dass man für das Bergbau-Erbe eine Anschlusslösung findet", sagt der frühere Saar-Ministerpräsident und Ausstellungs-Koordinator Reinhard Klimmt (SPD ). Er führt die enttäuschende Resonanz auf mangelnde Werbemaßnahmen und den als Marke noch nicht etablierten Standort Reden zurück. Die Ausstellungskonzeption, die Bergmanns- und Hüttenvereine als zu intellektuell rügen, verteidigt er: "Das Gästebuch beweist, wie hervorragend die Ausstellung ankommt". Klimmt räumt zugleich ein: "Eine größere Emotionalität zu erzeugen, ist uns nicht geglückt." Klimmt plädiert dafür, in Reden ein Zentrum für bergmännische Soziokultur zu installieren und dabei die inhaltliche "Grundstruktur" der "Erbe"-Schau zu übernehmen. Abbau der Vitrinen, nur um umzubauen?

,"Eine Entscheidung zum ,Erbe' ist nicht gefallen", erklärt dazu Wolfgang Kerkhoff, Sprecher des Wirtschaftsministeriums, dort liegt die Zuständigkeit für das Reden-Management. "Es gibt mehrere Denkmodelle, wie man mit den Inhalten der Ausstellung in Zukunft sinnvoll umgehen kann, wie man was Aussagekräftiges präsentieren kann, ohne ein Vermögen auszugeben", so Kerkhoff. Die Neustart-Aufgabe obliegt dem Reden-Standortmanager Heinz-Peter Klein (LEG). Er bekräftigt: "Es wird für den Bergbau weitergehen in Reden ." Er möchte das Thema Bergbau eng verzahnen mit heimatkundlichen Fragestellungen und Exponaten, die die in Reden bereits ansässigen Institutionen bieten: das Zentrum für Biodokumentation, die Ausstellung Geologie der Region, das Institut für Landeskunde und das Landesdenkmalamt.

In eine ähnliche Richtung denkt Rainer Raber, Geschäftsführer des Saarländischen Museumsverbandes. Er befürwortet die Schließung. Man könne jetzt "etwas Neues kreieren, das Ausstrahlungskraft hat und Identifikationsmöglichkeiten bietet". Raber schwebt dabei ein "Schaufenster des Saarlandes" vor, das die Alltagskultur abbildet.

Meinung:
Ein Aktder Vernunft

Von SZ-RedakteurinCathrin Elss-Seringhaus

Es ist kein Ruhmesblatt, auf dem die Geschichte dieser Ausstellung steht. Anders als die "Prometheus"-Schau, die 1998/99 erst das Publikum zum Völklinger Weltkulturerbe brachte, hat "Das Erbe" dem Standort Reden keinen Entwicklungsschub verpasst. Kein Wunder, sie wurde falsch aufgesetzt, nicht als Kooperationsprojekt hiesiger Museums-Profis, sondern als "integratives" Projekt, bei dem zu viele Köche im Brei rührten. Die Platzierung am "außerschulischen Lernort" Reden klang zudem nicht sexy, sondern nach Nachsitzen. Um die breite Masse zu erreichen, hätte es einer innovativeren Präsentation und Werbung bedurft. Auch fehlte eine kraftvoll-emotionale Unterstützung durch die Ministerpräsidentin. Dies, obwohl ihr das Projekt ein persönliches Anliegen war. Kurz: "Das Erbe" erreichte nie die Herzen der Saarländer. Deshalb ist es nur vernünftig, der Sache ein Ende zu setzen. Strich drunter. Der Spaß war teuer genug.

„Das Erbe“ war ein Anliegen von Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (li.) , hier zusammen mit Reinhard Klimmt (re.) bei der Begrüßung der 10 000. Besucherin. Foto: bub
„Das Erbe“ war ein Anliegen von Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (li.) , hier zusammen mit Reinhard Klimmt (re.) bei der Begrüßung der 10 000. Besucherin. Foto: bub FOTO: bub