Aus der Tabuzone holen

„Parkinson im Gespräch“, so lautet der Titel einer Vortragsreihe, die am Mittwoch im Grünen Kreis gestartet ist (wir berichteten). Ziel ist es, diese Krankheit aus der Tabuzone zu holen. Über Parkinson und warum diese Krankheit oft verschwiegen wird, sprach SZ-Redakteurin Margit Stark mit DRK-Geschäftsführer Martin Erbelding.

Was bedeutet es, Parkinson zu haben?

Martin Erbelding: Parkinson zu haben, bedeutet für jeden Kranken eine hohe Einschränkung seiner Lebensqualität. Dies ist in erster Linie auf die Bewegungseinschränkung zurückzuführen und auf die damit verbundene Verlangsamung. Insbesondere für Menschen, die in ihrem Arbeitsalltag immer sehr schnell waren, bedeutet es auch eine seelische Belastung, wenn das Schreiben eines Briefes jetzt einen halben Tag dauert.

Wie sieht eine Behandlung aus?

Erbelding: Parkinson kann nicht geheilt werden. Man kann nur die Symptome lindern, wie der Neurologe Dr. Gerhard Fuß in seinem Vortrag im Merziger Landratsamt erläutert hat. Therapeutische Möglichkeiten bieten die Logopädie, die Physiotherapie und die Krankengymnastik. Dabei ist es wichtig, dies nicht nur einmalig und punktuell zu tun, sondern regelmäßig. Die Bewegung ist als Therapie enorm wichtig.

Wie viele Menschen im Landkreis Merzig-Wadern sind betroffen?

Erbelding: Im Saarland geht man offiziell von rund 5000 Betroffenen aus. Jedoch gibt es noch eine hohe Dunkelziffer. Im Landkreis Merzig-Wadern kann man von etwa 1000 Betroffenen sprechen. Geht man davon aus, dass im Durchschnitt in jedem Haushalt drei Personen wohnen, so kann man von 3000 Betroffenen sprechen, betreuende Angehörige und Kranke.

Gibt es im Kreis Fachleute, die diese Krankheit effektiv behandeln können?

Erbelding: Im Landkreis gibt es zahlreiche Neurologen, wie Dr. Gerhard Fuß vom Medizinischen Zentrum, Merzig, es gibt Logopäden, wie Frau Tamara Hannig, Physiotherapeuten und Krankengymnasten. Es gibt die DRK-Klinik für Geriatrie und Rehabilitation in Mettlach, es gibt Parkinson-Kurse mit einer speziellen Ausbildung.

Sie sprechen davon, diese Krankheit aus der Tabuzone zu nehmen. Warum wird diese Krankheit verschwiegen?

Erbelding: Die Menschen haben von einem Parkinsonkranken das Bild eines "zitternden", über die Straße "holprig Gehenden". Dieser wird dann oftmals im ersten Moment unüberlegt als "Betrunkener" identifiziert. Dieser negative Eindruck, der natürlich falsch ist, führt dazu, diese Krankheit zu verbergen. Deshalb sind Aufklärung und Information wichtig. Das gleiche Phänomen war bei der Krankheit Krebs festzustellen. Heute geht man mit dieser Krankheit ganz offen um.

Wie wollen Sie diese Krankheit aus der Tabuzone holen?

Erbelding: Parkinson ist keine psychische Erkrankung. Parkinson ist eine neurologische Erkrankung. Wir wollen in jedem Jahr im Kreis, wie begonnen, eine Vortragsreihe durchführen zu dem Thema Parkinson. Dazu sind alle eingeladen, Kranke, Betroffene, Fachkräfte, politisch Tätige im Bereich Gesundheit und Pflege und die Angehörigen. Pro Quartal bieten wir einen Vortrag an.

Welche Möglichkeiten spielen Sie noch aus?

Erbelding: Die Presse spielt in der Berichterstattung eine wesentliche aufklärerische Rolle. Wir beabsichtigen, einen DRK- Parkinson-Aktionstag durchzuführen mit verschiedenen Referenten, ebenso beteiligen wir uns mit Infoständen an Veranstaltungen im Kreis, die sich den Themen Gesundheit, Pflege und Alter widmen. Wir haben eine umfassende Internetpräsentation eingerichtet, auf der man Informationen erhält zu allen Angeboten des DRK.

Burn-out, eine psychische Erkrankung, wird gesellschaftlich akzeptiert. Warum nicht Parkinson?

Erbelding: Die Krankheit Depression ist weitaus weiter verbreitet als Parkinson, vor allem bei berufstätigen Menschen. Es gibt heute kaum einen Betrieb, ein Büro oder ein Unternehmen, in denen es keinen Kollegen gibt, der unter dieser Krankheit leidet. Daher wird über Burn out viel mehr gesprochen als über Parkinson. Denn dies ist in der Regel eine Alters-Krankheit, wobei man allerdings einschränken muss, dass es auch Menschen unter 40 Jahren gibt, die unter Parkinson leiden.Hilfe finden Betroffene beim Parkinson-Kompetenzzentrum (PKZ) des Deutschen Roten Kreuzes in Saarbrücken-Dudweiler - dem einzigen dieser Art im Saarland. 2007 ging das Projekt nach Worten von DRK-Geschäftsführer Martin Erbelding an den Start. "Wir beraten Patienten und deren Angehörige, den Alltag mit Parkinson zu bewältigen, aber auch Arbeitgeber, Pflegepersonal, Therapeuten und alle, die an dieser Krankheit interessiert sind", sagt er. Unterstützung gibt es nach seinen Worten bei dem Schriftverkehr mit Pflege- und Krankenkassen, Sozialhilfeträgern und Diensten.

Zudem weise das Zentrum Möglichkeiten auf, wie der Pflegealltag erleichtert werde, zum Beispiel durch den Einsatz von Hilfsmitteln. "Mit dem ‚Parkinson-Mobil' besuchen Erkrankte in den eigenen vier Wänden und helfen bei der Bewältigung des Alltags. Pfleger geben Betroffenen und ihren Angehörigen Ratschläge und Tipps und bringen Hilfsmittel mit", zählt Erbelding weiter auf. Das PKZ wisse Rat, um die Versorgung von Pflegebedürftigen sicher zu stellen, wenn ein Angehöriger vorübergehend nicht pflegen könne. "Die erste Beratung zuhause oder bei uns im Büro und die Vermittlung von Diensten sind kostenlos."

Ansprechpartner: DRK-Sozialzentrum Dudweiler, Gerlinde Meyer, Pflegedienstleitung,

Theodor-Storm-Straße 9 bis 11, Dudweiler, Tel. (0 68 97) 9 65 98 37, E-Mail: meyer@

sozialzentrum-dudweiler.drk.de.

Zum Thema:

Auf einen BlickAnlaufstelle im Grünen Kreis: Eine Parkinsonselbsthilfegruppe für Kranke und deren Angehörige des DRK ist die DRK-Klinik für Geriatrie und Rehabilitation in Mettlach. Die Gruppe trifft sich jeden ersten Mittwoch im Monat von 15.30 Uhr bis 17 Uhr. red