Aufklärung oder Beeinflussung?

Jugendoffiziere der Bundeswehr haben im vorigen Jahr 67 Vorträge an weiterführenden Schulen im Saarland und in Rheinland-Pfalz gehalten. Friedensinitiativen kritisieren das. Eine Diskussionsrunde nahm jetzt das Thema auf.

Über das Thema "Schulfrei für die Bundeswehr " haben in Saarbrücken Vertreter von Friedensinitiativen , Landesinstitut für Pädagogik und Medien (LPM) und Bundeswehr kontrovers diskutiert. Veranstaltet wurde die Diskussion von einem Bündnis aus politischen Organisationen, kirchlichen Einrichtungen und Gewerkschaften. Laut einer Erhebung der Bundeswehr hielten die zwei für das Saarland und Teile von Rheinland-Pfalz (Zweibrücken, Kusel und Kaiserslautern) zuständigen Jugendoffiziere im Vorjahr 67 Vorträge an weiterführenden Schulen . 2012 waren es 89.

Jugendoffizier Dominic Ruffing, der von Lehrkräften als externer Referent zu Vorträgen eingeladen wird, betonte, er dürfe nicht versuchen, Schüler in weltanschaulicher Hinsicht zu überzeugen. Dazu Ruffing: "Das ist ein Vorwurf, den die Friedensbewegung erhebt." Vielmehr sei es "die Aufgabe, Jugendliche zu einer sachlichen Auseinandersetzung zu ermuntern". Er wolle den jungen Menschen unter anderem klar machen, "auf was für einer Insel der Glückseligkeit wir in Europa leben." Thema sei auch, was die Bundeswehr in Krisen- und Konfliktregionen leiste.

Nach Ansicht von Markus Pflüger von der Arbeitsgemeinschaft Frieden in Trier können Angehörige der Bundeswehr den Beutelsbacher Konsens, also die Grundsätze der politischen Bildung, gar nicht einhalten. "Für mich stellt es schon eine Überrumpelung dar, wenn der Lehrer durch einen Bundeswehrangehörigen ersetzt wird", sagte Pflüger. Oft seien die Bundeswehr-Besuche an Schulen , so Pflüger, ein "Unterrichtsersatz". Er plädiere für mehr Friedenserziehung an Schulen , wie sie etwa bereits in Streitschlichter-Programmen und "Schulen ohne Rassismus" umgesetzt sei.

Anna Haßdenteufel, die seit August 2013 am LPM in Saarbrücken den Bereich Friedensbildung an saarländischen Schulen aufbaut, hält es für einen wichtigen Ansatz, Schüler zu ermutigen, Konflikte gewaltfrei auszutragen. Sie biete Lehrern und Schülern an, in Projekten mit ihnen zu arbeiten. So begleite sie etwa an der Sophie-Scholl-Schule in Dillingen eine Projektwoche, in der die Akzeptanz des Fremden im Fokus steht. Für das nächste Schuljahr plane sie die Fachtagung "Frieden will gelernt sein", die unter anderem Workshops für Lehrer beinhaltet. Nach ihrer Auffassung ist dieses ein Stück weit auch "Abgrenzung gegen das Engagement der Bundeswehr ." Dennoch könne sie mit ihrer Arbeit nicht "den Gegenpart zu den Jugendoffizieren" l eisten.